Aktuell Informativ Meinungsbildend NATUR UND UMWELT
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NATUR Online Kolumne

 

Ab sofort finden Sie an dieser Stelle regelmäßig Kurzbeiträge zu wichtigen Nachhaltigkeitsthemen unserer Zeit. Die Beiträge stammen von der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung.

Autorin ist Dipl.-Biol. Susanne Hufmann.        

 

5/2022

 

Ozon – ein vergessenes Sommerproblem

 

Ozon (O3) ist ein natürlicher Bestandteil der Atmosphäre. Während das Ozon in Höhen von 10 bis 50 km zu schwinden drohte, kommt es während des Sommers lokal zu bedenklichen Konzen-trationen in Bodennähe. Wie ist das möglich?

 

Die Zerstörung der Ozonschicht wurde in den letzten Jahrzehnten unter dem Schlagwort Ozonloch bekannt. Seit 1980 beobachtete man alljährlich zu Beginn des arktischen Frühlings über dem Südpol innerhalb kürzester Zeit das Absinken der Ozongehaltes auf etwa die Hälfte der üblichen Werte. Verantwortlich für den menschengemachten Ozonschwund sind chemische Verbindungen wie FCKW (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), die als Treibgase in Spraydosen, zum Aufschäumen von Kunststoffen, als Lösemittel oder als Kältemittel in Kühlgeräten und Klimaanlagen Verwendung fanden.

 

Die langlebigen FCKW „wandern“ in die schützende Luftschicht und zerstören dort Ozonmoleküle. Deren Konzentration sinkt und die Schichtdicke nimmt ab. Mit drastischen Folgen für das Leben auf der Erdoberfläche, denn die ultraviolette Strahlung nimmt zu. Zu starke UV-Strahlung aber schädigt Haut, Augen, das Erbgut und schwächt das Immunsystem. Der größte Strahlungsanstieg erfolgt im Frühjahr, also gerade dann, wenn Menschen und Pflanzen noch „sonnenungewohnt“ und besonders UV-empfindlich sind. In dieser Zeit ist auf einen besonderen Schutz zu achten. Wissenschaftlichen Prognosen zufolge wird sich die UV-Strahlung noch bis 2060 auf dem hohen Niveau halten, bis internationale Bemühungen zum Schutz der Ozonschicht endlich greifen.

 

Hoch oben zu wenig – ganz unten zu viel

Ozon ist - in sehr geringer Konzentration - ein natürlicher Bestandteil unserer Atemluft. Gefährlich wird es erst, wenn menschengemachtes Ozon dazu kommt. Hauptverursacher ist neben Kraftwerken der Straßenverkehr. Denn er liefert die für die Ozonbildung notwendigen Vorläufersubstanzen wie Stickoxide. Flüchtige Kohlenwasserstoffe aus Lösungsmitteln, Farben oder Lacken sind eine weitere, ernst zu nehmende Quellen.

 

Eine anhaltend sommerliche Schönwetterlage wie zurzeit befeuert die Ozonentstehung. Neben der Hitzebelastung kommt es zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, denn Ozon ist ein aggressives Reizgas.

 

So leiden gerade an Sommertagen viele Menschen an Husten, Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen. Auch die Augen sind betroffen. Die Reizungen treten meist unabhängig davon auf, ob man sich körperlich betätigt oder nicht. Vielmehr bestimmt allein die Aufenthaltsdauer in ozonbelasteter Luft das Ausmaß der Beeinträchtigung bis hin zu einer verminderten Lungenfunktion oder entzündlichen Reaktionen der Atemwege.

 

Das sollte man wissen

Ozon hat einen ausgeprägten Tagesverlauf. Morgens sind die Werte am niedrigsten, die höchsten Konzentrationen herrschen am Nachmittag zwischen 14 und 17 Uhr. Abends und in der Nacht nehmen die Werte – zumindest in städtischen Gebieten - allmählich ab. In Reinluftgebieten wie auf dem Land ist die Nachtabsenkung weniger ausgeprägt. Auch wenn die Spitzenwerte der 1990er Jahre nicht mehr erreicht werden, ist ein Anstieg in den mittleren Konzentrationsbereichen festzustellen, die sowohl den EU-Zielwert als auch die Empfehlung der WHO überschreiten. Hinzu kommt der Klimawandel mit langen Hitzeperioden.

 

Das sollte man tun

Um die Vorläufersubstanzen von Ozon einzudämmen, empfiehlt es sich, das benzin- oder dieselbetriebene Auto stehen zu lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Auch die Bildung von Fahrgemeinschaften ist ein Beitrag. Kurze Wege sollten auf keinen Fall mit dem Auto zurückgelegt werden. Lieber mal mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sein. Außerdem sollten möglichst nur wasserlösliche Farben und Lacke zur Anwendung kommen.

 

Energie sparen ist das Gebot der Stunde

Jeder nicht verbrannte Liter Benzin, jeder nicht verbrannte Liter Heizöl, jeder nicht verbrannte Kubikmeter Gas vermindert die Emissionen. Aber das wissen Sie ja schon … 

 

Wissenswert

Ozon (O3) ist eine sehr reaktionsfreudige, gasförmige Verbindung und ein starkes Oxidations-mittel. Im Gegensatz zum zweiatomigen Luftsauerstoff (O2) besteht es aus drei Sauerstoffatomen und hat die Tendenz, das „überzählige“ Sauerstoffatom schnell abzugeben.

 

Die Ozonschicht ist überlebenswichtig, denn sie hält den größten Teil der biologisch schädlichen UV-Strahlung der Sonne zurück und fungiert als Schutzschirm. Etwa 90 % des natürlichen Ozongehalts der Erdatmosphäre befinden sich in der Stratosphäre.

 

Intensive Sonneneinstrahlung ist der „Motor“ der Ozonbildung am Boden. Hohe Konzentrationen treten dann auf, wenn die Sonne bei ruhigen, austauscharmen Wetterlagen praktisch ungehindert auf die Erde strahlt. Hohe Ozonwerte treten nicht im Winter auf. Daher spricht man von „Sommersmog“.

4/2022

 

Auch Vögel und Insekten haben Durst

 

Der Sommer ist da und mit ihm wochenlange Hitzeperioden und Trockenheit. Während sich die einen auf ihren wohlverdienten Urlaub in weiter Ferne freuen, sorgen sich die anderen um die Natur und Umwelt in der Heimat.

 

Das Problem: Auch in den kommenden Wochen wird es nicht nennenswert regnen. Die Tem-peraturen steigen weiter, aber die Landschaft ist jetzt schon ausgetrocknet. Die Tierwelt ächzt unter ausgetrockneten Tümpeln, verlandeten Flutmulden und einem Wassermangel, der nicht nur uns Menschen zu schaffen macht.

 

Um die Hitze abzumildern, verfolgen Vögel recht unterschiedliche Strategien: Man kennt bei Amseln und Rabenvögeln das Kehlsackhecheln. Sie sitzen mit weit geöffnetem Schnabel da und atmen schnell ein und aus, um über die Lunge Wärme abzugeben. Wer sich in diesen Tagen schon einmal über die Beine eines Weißstorches gewundert hat, die jetzt wie weiß bemalt wirken, ist einer weiteren Strategie gegen die Hitze auf der Spur: Der Storch bespritzt seine Beine mit flüssigem Kot, um Wärme abführen zu können.

 

All das hilft aber nur, wenn die Tiere auch Zugang zu Schatten und sauberem Wasser haben. So genannte Schottergärten sind jetzt Todesfallen. Durch die Sonneneinstrahlung heizen sich Beton und Steine extrem auf. Manch ein begeisterter Schottergärtner wird seine Entscheidung in diesen Tagen schon bitter bereut haben, denn ein Aufenthalt im „pflegeleichten Areal“ rund ums Haus ist schier unmöglich und die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, um das Haus überhaupt bewohnbar zu machen. Das ist nicht nur schlecht für das eigene Portemonnaie und schlecht für die Öko-bilanz, sondern ganz schlecht für das Klima. Außerdem belastet die zusätzliche Hitzestrahlung Nachbargrundstücke und wirkt sich negativ das gesamte Mikroklima in der Straße aus.

 

Bäume, Sträucher und Hecken kühlen ihre Umgebung dagegen um etwa 2 bis 3 Grad ab und bieten Mensch und Tier Schattenplätze, die jetzt vermehrt auch von Vögeln aufgesucht werden. Das hilft alles aber nichts, wenn nicht auch sauberes Wasser zur Verfügung steht. An dieser Stelle können wir eingreifen und mit Vogeltränken oder Flachwasserbereichen im Gartenteich Abhilfe schaffen. Letztere eignen sich zudem hervorragend für ein kühlendes Vogelbad.

 

Vogeltränken sollten regelmäßig gereinigt werden, um Keimanreicherungen zu vermeiden, die die Vogelschar krank machen könnte. Dabei ist auf chemische Desinfektionsmittel zu verzichten. Eine Bürste und sauberes Wasser reichen völlig. Wenn die flache Tränke nun noch an einem „katzensicheren“ Ort platziert oder aufgehängt wird, hat man in diesen Tagen schon viel getan.

Auch auf Friedhöfen und in öffentlichen Parkanlagen sind jetzt vermehrt Vogeltränken aufgestellt. Oft fehlt den Kommunen aber das Personal, um die Tränken regelmäßig mit Wasser zu versorgen. Hier sind wir wieder gefragt: Einfach mal nachschauen, wenn nötig säubern und wieder auffüllen. So einfach kann Naturschutz sein.

 

Insektentränke selbstgemacht

Für Käfer, Hummeln, Wespen und Bienen eignen sich Blumentopfuntersetzer oder ausrangierte Teller, die, mit Steinen und Moosen als kleine „Sitzwarten“ ausgestattet, sehr schnell von der Insektenwelt angenommen werden. Dass das „kinderleicht“ leicht ist, stellte vor kurzem die Naturschutzjugend der GNA unter Beweis. Nun zieren etliche Insektentränken den Natur- und Lehrgarten im Alten Pfarrgehöft und auch den ein oder anderen elterlichen Balkon in Rodenbach.

3/2022

 

Was ist ein Baum?

 

Ein Baum ist ein sehr großes Holzgewächs mit einem ausgeprägten einzelnen Stamm, mit einem weit verzweigten Astwerk, einer dicht belaubten Krone und starken Wurzeln. Man unterscheidet Nadelbäume und Laubbäume. Nadelblätter verbleiben mehrjährig am Baum während Laubblätter am Ende einer Vegetationsperiode abgeworfen werden.

 

Diese nüchterne Betrachtung wird den eindrucksvollen Geschöpfen nicht wirklich gerecht. Man könnte einen Baum auch so beschreiben: Ein Baum ist ein lebendes Wesen, durch und durch eine Persönlichkeit – von seinen Wurzeln bis zum Wipfel – geprägt durch seine Umwelt, seine Erfahrungen und seine individuelle Geschichte. Bäume überraschen uns durch eine Vielzahl besonderer Merkmale und außergewöhnlicher Eigenschaften, wie zum Beispiel durch ihre Größe und Langlebigkeit.

 

So hören Bäume niemals auf zu wachsen. Jedes Jahr verlängert sich der Stamm und die Äste wachsen mit dem Austreiben neuer Endknospen. Außerdem nehmen sie stetig an Umfang zu. Manche Baumarten sind über 100 Meter hoch und können mehrere 100 Jahre, an bestimmten Standorten sogar mehrere 1000 Jahre alt werden.

 

Durch unterschiedliche Erscheinungsbilder während der Jahreszeiten führen uns die Bäume in unseren Breiten den Ablauf des Lebens vor Augen. Sie sind es, die uns zu allen Zeiten unser irdisches Werden, unser Dasein und unser Vergehen erkennen lassen. In früheren Zeiten glaubte man sogar, dass große Solitärbäume von Göttern bewohnt werden und verehrte sie.

 

Es ist noch gar nicht lange her, da waren Bäume die ständigen Begleiter im Leben eines Men-schen. Zur Hochzeit pflanzte man einen Baum, ebenso zur Geburt eines Kindes. Hausbäume zierten fast jedes Anwesen. In vielen Gärten gab es Obstbäume, die als wichtige Obstlieferanten geschätzt wurden. Wir kennen den Maibaum, den Kirmesbaum und auch den Weihnachtsbaum. Und auch heute noch zeigt ein Bäumchen bei jedem Richtfest die Fertigstellung des Dachstuhls an.

 

Trotz all der Wertschätzung werden Bäume in Gärten und im öffentlichen Raum zunehmend als Ärgernis wahrgenommen. Gründe sind der Schattenwurf und herabfallendes Laub. Aussagen wie „Sie sind zu groß.“ oder „Sie machen Dreck.“ sind zu hören. Die Folge ist: „Sie müssen weg.“.

 

Dabei wird oft nicht bedacht, dass Bäume das Mikroklima günstig beeinflussen, das Wasser im Boden speichern und vor der Sonne schützen. Außerdem stehen sie als Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen unter Schutz.

 

Nicht umsonst haben viele Kommunen Baumschutzverordnungen erlassen, die es verbieten, Bäume und Sträucher ab einer bestimmten Größe oder einem bestimmten Alter zurückzu-schneiden oder zu fällen. In der Regel gilt dies ab einem Stammumfang von 80 cm, gemessen in einem Meter Höhe. Ausnahmegenehmigungen werden nur sehr selten und bei kranken Gehölzen, die umzufallen drohen, erteilt.

 

Bevor man also zur Axt oder Kettensäge greift, sollte man sich nicht nur - um sich nicht strafbar zu machen – bei der Kommune nach der aktuellen Rechtslage erkundigen, sondern vor allem darüber nachdenken, ob das Entfernen des Baumes wirklich nötig ist. Anstatt einen Baum ganz zu fällen, reicht es in manchen Fällen schon aus, einen professionellen Landschaftsgärtner oder Baumpfleger zu engagieren, der kranke oder morsche Äste entfernt und die Krone fachgerecht auslichtet. Dadurch wirft der Baum nicht mehr so viel Schatten und wird wieder standfester.

2/2022

 

Steine blühen nicht

 

Die neue Lust am Gärtnern ist da. Schrebergärten erleben einen Ansturm wie noch nie, Zeitschriften über die Idylle des Landlebens boomen und zahllose Gartenbücher erscheinen jedes Jahr rechtzeitig zum Saisonbeginn in den Auslagen der Buchläden. Eine mögliche Erklärung: Das „Buddeln“ in der Erde, der Anbau von eigenem Obst und Gemüse befriedigt ein Urbedürfnis vieler vor allem in Städten lebender Menschen. Und auch das Gefühl, der Natur etwas zurückgeben und selbst etwas für den Erhalt der Biodiversität tun zu können, scheint ein Motiv zu sein.

 

Aber Gärtnern ist nicht gleich Gärtnern. Nahezu zeitgleich erreichen Dokutainment-Formate wie „Duell der Gartenprofis“, in dem zwei Gartenbauunternehmer Ideen für vermeintliche Traum-gärten entwickeln und um einen Auftrag kämpfen, ungeahnte Einschaltquoten. Nur: Die dort vorgestellten Konzepte für den lang ersehnten Traumgarten haben mit Natürlichkeit nichts zu tun und folgen einem immer gleichen Schema: Überdimensionierte Terrassen verlagern Wohnzimmer nach draußen, wertvoller Erdboden wird durch Trittplatten, Wege und Grillplatz versiegelt und sogar alte Obstbäume müssen nichtheimischen Gehölzen weichen.

 

Modern und pflegeleicht soll es sein. Unzählige Tonnen von Natursteinen, deren Herkünfte wegen der damit einhergehenden Landschaftszerstörung hinterfragt gehören, finden ihren Weg als „Rasenmähkante“ oder Hochbeet-Umrandungen in noch so kleine Außenbereiche. Dass bei so viel Einsatz insektenfreundliche Brachen und letzte Wildnisecken in den ansonsten sterilen Neubaugebieten für immer vernichtet werden, scheint weder die Protagonisten noch den Fern-sehsender zu stören. Rindenmulch, Vliese und Folien zur Rückdrängung von so genannten „Unkräutern“, die es für einen Botaniker gar nicht gibt, dürfen natürlich auch nicht fehlen.

 

Zum krönenden Abschluss umrandet der immergrüne Kirschlorbeer einen sattgrünen Rollrasen, um wenigstens einen Anstrich von „Grün“ in die neue Außenanlage zu zaubern. Dabei müssten

es die gelernten Landschaftsgärtner doch eigentlich besser wissen. Und ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender mit Bildungsauftrag in Zeiten von Klimawandel und Artenschwund sich seiner besonderen Verantwortung bewusster sein.

 

Während viele immer noch mit Giftspritze und Unkrautvernichter in ihren Einheitsgärten mit Thujahecke und Schotterflächen gegen jedes noch so kleine Pflänzchen vorgehen, hat aber zum großen Glück schon längst ein Umdenken eingesetzt. Man kann beinahe von einer Gegen-bewegung sprechen, denn: Das „natürliche Gärtnern“ wird wieder groß geschrieben. Der Garten wird – endlich - als „ein kleines Stück Umwelt“ betrachtet, als Ökosystem und Lebens-raum, in dem es gilt, die biologische Vielfalt zu bewahren und zu fördern. Bedenkt man, dass in Deutsch-land etwa 17 Millionen Gärten mit einer Gesamtfläche von 6.000 Quadratkilometern existieren – das ist das Fünffache der als Naturschutzgebiete ausgewiesenen Flächen (ca. 1.240 Quadrat-kilometer) – wird klar, wie wichtig natur- und umweltverträgliches Gärtnern wirklich ist.

 

Tauschbörsen für heimische Wildsamen und Stauden florieren und bieten Naturgärtnern
und denen, die es werden wollen, eine willkommene Gelegenheit, gemeinsam Aspekte des biolo-gischen Gärtners zu beleuchten, denn wassersparendes Gießen, richtiges Düngen oder auch das erfolgreiche Kompostieren von Garten- und Küchenabfällen wollen gelernt sein.

 

Die Natur für sich nutzen, ohne sie zu zerstören. Im Garten leben, sich erholen, ein Garten für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Aber auch ein Garten für Tiere wie Igel und Maulwurf, Vögel, Käfer und Insekten. Der natürliche Garten ist ein gangbarer und unverzichtbarer Weg, im Gleichgewicht mit der Umwelt zu leben und kommenden Generationen ein Stück Natur zu schenken. Packen wir es an!                 

01/2022

 

Kein Torf in den Topf - Moore und Klima schützen

 

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow ist beendet. Was bleibt, ist Rätselraten über die Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen. Eins aber ist sicher: Klimaschutz fängt im Kleinem an. Jede(r) Einzelne kann und sollte darüber nachdenken. Denn selbst die Wahl der Blumenerde, die für Balkonpflanzen oder die Gartengestaltung verwendet wird, ist relevant für unser Klima. Wie das?

 

Wer einmal mit offenen Augen durch einen Baumarkt oder ein Gartencenter geht, wird schnell feststellen, dass die meisten Angebote, die als Blumenerde deklariert sind, hauptsächlich Torf enthalten. Doch was ist Torf eigentlich? Und was bringt Torf meinen Pflanzen? Für die meisten Blumenliebhaber ist die Antwort wahrscheinlich überraschend. Torf ist der Stoff, aus dem unsere Moore bestehen. Und den Pflanzen bringt er erst einmal NICHTS!

 

Moore sind weltweit bedroht, inzwischen sehr seltene Ökosysteme und als Lebensräume für ganz besondere Tier- und Pflanzenarten von immenser Bedeutung. Damit nicht genug: Moore sind außerordentlich klimarelevant, denn sie speichern das Treibhausgas Kohlendioxid.

 

Die Nutzung der vor etwa 12.000 Jahren natürlich entstandenen Moore begann schon ganz früh. Moorstandorte wurden zur land- und forstwirtschaftlichen Zwecken systematisch durch Gräben entwässert und genutzt, Torf wurde abgebaut, getrocknet und als Brenn- und Heizstoff verwendet. Obwohl bekannt ist, dass die Folgen dieser Eingriffe unumkehrbar sind, geschehen sie heute noch überall und zu jeder Zeit auf unserem Planeten. Zurück bleiben ein gestörter Wasserhaushalt, Bodenerosion und der Verlust einer ursprünglichen und einzigartigen Moorvegetation.

 

Dazu zählt in erster Linie das Torfmoos, das entscheidend für die Entstehung von Mooren ist. Denn die kleinen wurzellosen Pflänzchen können unbegrenzt wachsen. Die Basis unter Wasser stirbt dagegen aufgrund des Luftabschlusses ab. Aus den sich unvollständig zersetzenden Pflanzenresten entsteht der allseits beliebte Torf.

 

So weit so gut. Aber wussten Sie, dass dieser Prozess extrem langsam abläuft? Dass Torf durchschnittlich nur 1 Millimeter pro Jahr wächst? Aber dabei dauerhaft Treibhausgase bindet?

Dass Torf wider besseres Wissens immer noch sehr gerne im Garten und auf dem Balkon eingesetzt wird, hat zugegebenermaßen gleich mehrere gute, teils verführerische Gründe: Torf ist leicht und einfach zu transportieren. Torf speichert viel Wasser, ohne dass Pflanzenwurzeln an Sauerstoffmangel leiden. Torf hat einen niedrigen pH-Wert und kann mit Hilfe von Kalk an unterschiedlichste Pflanzenbedürfnisse angepasst werden. Und zu guter Letzt: Torf ist nährstoffarm, weshalb ihm Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphate zugesetzt werden können, aber auch müssen, denn ohne Nährstoff kein Pflanzenwachstum.

 

Doch das begehrte Gut wird knapp. Die globalen Vorräte können nur noch wenige Jahrzehnte unseren Bedarf decken. Hinzu kommt, dass der Torfabbau große Mengen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre freisetzt. Verschärft wird die Situation dadurch, dass die heute schon unter dem Klimawandel leidenden Moorgebiete in Rußland, Skandinavien und im Baltikum seit geraumer Zeit „unlöschbar“ brennen und die Freisetzung von CO2 damit zusätzlich vorantreiben.

 

Moorschutz ist Klimaschutz. Nach industriell betriebener Abtorfung, großflächiger Entwäs-serung, Umnutzung für Landwirtschaft und Siedlung, Belastung durch Großvorhaben wie Autobahn- und Flughafenausbau u.v.m. sind in Deutschland nur noch 1 Prozent der Moore unbeeinflusst. Dass das nicht nur für das Klima schlecht ist, versteht sich von selbst. Durch die Entwässerung der Feuchtgebiete kommt es zu Artenverarmung und Biodiversitätsverlusten. Moosbeere, Wollgras und Sonnentau verschwinden, viele ans Moor angepasste Schmetterlings-arten sind akut gefährdet, Libellen und Fledermäuse sind ebenso betroffen wie Kreuzotter und Moorfrosch. Die Renaturierung und Wiedervernässung degradierter Moore könnte somit nicht nur einen signifikanten Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zum Artenschutz leisten.

 

Aber auch im heimischen Umfeld ist der vollständige Verzicht oder zumindest eine starke Reduzierung des Torfeinsatzes aus vielerlei Gründen sinnvoll. Somit gilt ab sofort: Kein Torf in den Topf. Im Internet finden sich viele Beispiele klimafreundlicher Alternativen wie beispielsweise der eigene Kompost.         

 

Globaler Klimastreik 

Breites Bündnis fordert heute Kehrtwende in der Klimapolitik

 

Deutschlandweit wurden bereits mehr als 250 Demos und Aktionen angemel-det, größere Demonstrationen werden unter anderem in Berlin, Hamburg und Köln stattfinden. 

Infos & Demos: klima-streik.org
Aufruf: klima-streik.org/infos/aufruf
Bündnisklima-streik.org/infos/buendnis

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Kolumne

Nachhaltigkeit bringt Zukunft

Regelmäßige Kurzbeiträge zu wichtigen Nachhaltigkeitsthemen unserer Zeit. 

Wildpflanzen

Weil viele heimische Wildpflanzen nicht auffällig blühen, sind sie fast in Verges-senheit geraten – zu Unrecht! Flächen-verlust, Herbizide und Überdüngung machen ihnen zu schaffen. Umso schöner, wenn wir ihnen zum Come-back verhelfen  – mit Naturgärten. 

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TV Tipps

Naturdoku-Highlights bei ServusTV Deutschland 

© Terra_Mater_NatGeo_Ryan_Sheets
Mittwoch, 28. Sept. | 20:15 Uhr  Yellowstone – Winterwildnis (2/2)
Terra Mater | Dokumentation
 
Der zweite Teil der Dokumentation zeigt, wie sich Dickhornschaf, Wolf, Bison, Biber und Flussotter den Herausforderungen und Härten der Natur von den ersten trüben Herbst-tagen bis zu den letzten eiskalten Winterwochen stellen müssen.
© Kingdom Films / Smithsonian Network / Vanessa Venter
Mittwoch, 5. Oktober | 20:15 Uhr: Terra Mater: Die Raubtier-Challenge – Smarte Köpfe auf vier Pfoten (1/2)
Dokumentation
 
Löwen und Hyänen auf dem Prüfstand: Wer ist klüger, wer ist sozialer? Und wer erkennt schneller, dass Zusam-menarbeit der Schlüssel zum Erfolg sein kann? Mit Hilfe verschiedenster Experimente, analysieren „Löwen-flüsterer“ Kevin Richardson und inter-nationale Wissenschaftler das Verha-lten der Tiere in unterschiedlichen Situationen.
Mittwoch, 12. Oktober | 20:15 Uhr Terra Mater: Die Raubtier-Challenge – Gemeinsam zum Erfolg (2/2)
Dokumentation
 
Der zweite Teil der Raubtier-Doku handelt von der Cleverness und sozialen Fähigkeiten von Löwen und Hyänen. „Es geht nicht darum, wer hier gescheiter ist – ein Löwe, oder eine Hyäne. Es geht darum, dass beide auf ihre eigene Art und Weise clever sind“, so Wildtierexperte Richardson.

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Veranstaltungen

Fachtagung

Natur in der Stadt
Doppelte Innenentwicklung oder ein-fache Innenverdichtung? Harmoni-sierungsansätze insbesondere unter klimatischem Fokus

Im Fokus  stehen Beispiele aus der Praxis, die sowohl die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes erfüllen als auch die ökologischen, stadtklima-tischen und gestalterischen Funktionen des Stadtgrüns sicherstellen.
 

28. September 2022 | Orangerie | Bessunger Str. 44 | 64285 Darmstadt.

 

Tagungsgebühr 80,00 € | Anmeldungen bis spätestens 14. September 2022
Programm & Anmeldung
Programm_Naturinder_Stadt_Darmstadt_28_0[...]
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Vorankündigung & Aufruf zu Beiträgen

56. Hessischer Floristentag

Dietzenbach

Tagung | 30. September 2022 

Exkursionen | 1. Oktober  2022 

 

Das Detailprogramm ist derzeit in der Entwicklung und bietet noch Raum für Vorträge. Die Veranstalter laden ein!
ANKÜNDIGUNG & Aufruf
N039 Floristentag 2022 _Ankündigung und [...]
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Buchtipps 

Verbreitungsatlas der Tagfalter und Widderchen Deutschlands

Wer Schmetterlinge schützen will, muss wissen, wo sie vorkommen. Die Fund-meldungen aus bestehenden Monito-ringprogrammen lagen bislang jedoch nur regional vor. Erstmals führt der Atlas die Verbreitungsdaten aller 184 heimischen Tagfalter- und der 24 Wid-derchenarten zu einem schlüssigen Bild ihrer Gesamtverbreitung zusammen und liefert so ein wirkungsvolles Instrument zu ihrem Schutz.

Ulmer Verlag, 2020. 432 Seiten, geb.
568  Farbfotos, 218 farbige Karten ISBN 978-3-8186-0557-5

Das Zeitalter der Städte

Die entscheidende Kraft im Anthropozän
S. Hirzel Verlag | Stuttgart | 344 Seiten ISBN 978-3-7776-3032-8

[Buchvorstellung]

Andreas Jaun

In der Stadt

Natur erleben – beobachten – verstehen | Naturführer-Reihe Band 5

Haupt Verlag | 1. Auflage 2012

ISBN 978-3-258-07718-5

[Buchvorstellung]

Stefan Ineichen, Bernhard
Klausnitzer, Max Ruckstuhl

Stadtfauna

600 Tierarten unserer Städte

Haupt Verlag | 1. Auflage 2012

ISBN 978-3-258-07723-9

[Buchvorstellung]

Rainer Nahrendorf

Eifel - Das bedrohte Orchideenparadies

Die Königinnen der Pflanzen sind auf dem Rückzug. Sie vertragen keine Düngung, sind auf magere Kalkböden oder Feuchtgebiete angewiesen, müs-sen Aufforstungen, neuen Baugebieten oder Steinbrüchen weichen.  

ISBN: 9783754169124 | 156 Seiten

Buchvorstellung.pdf
PDF-Dokument [221.9 KB]

Krautige Pflanzen
des Harz-Waldes

Schon früh wurde die heilende Wirkung vieler Kräuter erkannt. Die Pflanzen-medizin bestimmte über Jahrtausende die medizinischen Möglichkeiten der Menschen und noch heute werden zahlreiche Pflanzen und  Wirkstoffe zur medizinischen Behandlung eingesetzt.

Herausgeber: Verlag Sternal Media 

Softcover-Einband | 188 Seiten
Querformat von 17 x 22 cm
ISBN 978-3-7557-6138-9
23,99 Euro | E-Book  9,49 Euro

NATUR Online 

Redaktion NATUR Online

Mühlstraße 11 | D - 63517 Rodenbach
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Aktualisiert am:

23. September 2022

 

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