Deutsche Umwelthilfe kritisiert fehlende Sammelstellen und mangelnden
Service
- 35 Prozent der untersuchten Kommunen in Nordrhein-Westfalen und Hessen haben keine stationären Sammelstellen für schadstoffhaltige
Abfälle
- Vorhandene Sammelstellen mit überwiegend verbesserungswürdigem Service und zu kurzen Öffnungszeiten: Nur 28 von 79 Kommunen mit gutem
Ergebnis
- DUH fordert von allen Kommunen flächendeckende, bürgerfreundliche und stationäre Schadstoffsammlung – Schadstoffmobile nur als
Ergänzung
Berlin: In vielen Landkreisen und Städten haben es Bürgerinnen und Bürger schwer, ihre schadstoffhaltigen Abfälle ordnungsgemäß zu
entsorgen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen. In 28 von 79 untersuchten Landkreisen und kreisfreien
Städten gibt es keine stationäre Schadstoffsammelstelle, um giftige oder ätzende Schadstoffe sicher zu entsorgen. So können beispielsweise Bauschaumdosen das gesundheitsgefährdende Isocyanat und
Pflanzenschutzmittel krebserregende Substanzen enthalten.
In Kommunen mit stationärer Schadstoffsammelstelle hat die DUH zudem erhebliche Mängel beim Service festgestellt: Unter Berücksichtigung von Öffnungszeiten, Online-Informationen sowie Kosten für
Schadstoffe in haushaltsüblichen Mengen schnitten lediglich 28 Landkreise und kreisfreie Städte „gut“ ab, darunter Euskirchen, Köln oder Lippe.
Die DUH fordert von allen Kommunen eine flächendeckende, serviceorientierte und stationäre Rücknahme für schadstoffhaltige Abfälle.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Die aktuelle Situation ist nicht alltagstauglich: In 35 Prozent der von uns untersuchten Landkreise und kreisfreien Städte gibt es
keine stationären Sammelstellen, sondern lediglich Schadstoffmobile. Weil diese nur an wenigen Tagen im Jahr Schadstoffe zurücknehmen, wird deren Sammlung zum Lotteriespiel auf Kosten der Umwelt und
Verbraucherinnen und Verbraucher. Bürgerinnen und Bürger müssen in zumutbarer Entfernung verlässlich Schadstoffe ordnungsgemäß entsorgen können. Schadstoffmobile können höchstens eine Ergänzung zur
stationären Sammlung sein.“
Beispielsweise in Darmstadt-Dieburg, Düren, Groß-Gerau, Hochtaunuskreis, Kleve, Olpe, Rhein-Kreis Neuss oder Warendorf gibt es laut DUH-Untersuchung ausschließlich mobile Schadstoffsammlungen.
Bei Kommunen mit stationärer Sammelstelle hat die DUH außerdem an zehn Standorten Testbesuche durchgeführt. Dabei wurde unter anderem Erscheinungsbild, Beschilderung, Beratung und die Bedingungen für
die Rückgabe bewertet. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus: Ein „guter Service“ wurde nur von einer Sammelstelle in Darmstadt erreicht.
Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der DUH: „Wir haben Probleme bei den Öffnungszeiten und der Sammelpraxis festgestellt. Bei sechs Sammelstellen erfolgte die Annahme von Schadstoffen
über einen Sammeltisch ohne Personal. Für eine fachgerechte Entsorgung ist eine persönliche Abgabe unerlässlich, insbesondere wenn die schadstoffhaltigen Produkte nicht beschriftet sind. Ohne
Kundenkontakt kann auch keine Beratung stattfinden. Besonders kritisch sehen wir, dass an einer Sammelstelle sogar Falschinformationen zur Entsorgung von Bauschaumdosen gegeben wurden. Bei der
Beratung muss daher dringend nachgebessert werden.“
Kommunen, die ihr Serviceangebot bei der Erfassung von Wert- und Schadstoffen verbessern möchten, empfiehlt die DUH eine Orientierung an den Kriterien des RAL-Gütezeichens 950. Zudem zeichnet die DUH
regelmäßig vorbildliche Wertstoffhöfe im Rahmen des Wettbewerbs „Grüner Wertstoffhof“ aus. Eine Neuausschreibung des Wettbewerbs für 2026 steht unmittelbar bevor.
Quelle: DUH