6. Februar 2026 | WWF-Bankenrating
Deutsche Banken im Nachhaltigkeits-Check –
viel Mittelmaß, wenig Vorreiter
Berlin: Seit kurzem sind die neuen Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) in Kraft: Sie verpflichten europäische
Banken, Nachhaltigkeitsrisiken verbindlich in ihr Risiko-management zu integrieren. Passend dazu veröffentlicht der WWF Deutschland heute ein neues
Bankenrating. Es zeigt: Der deutsche Bankensektor ist auf dem Weg – aber noch lange nicht am Ziel.
Von 15 untersuchten Banken erreicht nur die ING den Status „Vorreiter". Die Bestnote „Visionär" schafft kein einziges deutsches Institut. Auf ING folgen Triodos Bank, Deutsche Bank und GLS
Bank als „Verfolger". Zehn Banken – darunter Commerzbank, DKB und die Landesbanken – landen im „Mittelmaß". Schlusslicht ist die Berliner Volksbank als „Nachzügler". Grundlage für die Bewertung
waren Selbstauskünfte und öffentlich verfügbare Informationen der Banken.
„Keine einzige deutsche Bank schafft bislang die Bestnote. Klimaschutz ist oftmals eher Neben- als Kerngeschäft. Und der Schutz der Biodiversität spiegelt
sich aktuell nur punktuell im Bankenwesen wider. Dabei ist die Integration von Klima und Biodiversität in die Kernprozesse der Banken zentral und entscheidend dafür, wie gut
Banken Risiken einschätzen und ob die Nach-haltigkeitstransformation unserer Wirtschaft gelingt. Für Banken geht es um die Zukunftsfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle, für die
Wirtschaft um die Finanzierbarkeit der notwendigen Trans-formation – und damit um langfristigen Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt David Knewitz, Sustainable-Finance-Experte beim WWF
Deutschland.
Auch wenn Fortschritte über das gesamte Teilnehmerfeld erkennbar sind, ist die Integration von Klima und Biodiversität noch unvollkommen. Zwar werden Klimaziele zunehmend implementiert,
Portfolios stärker entlang von Klimakriterien gesteuert sowie Ausschluss- und Positivkriterien in Anlageprodukten häufiger systematisch angewendet. Gleichzeitig liegen Defizite in der
konse-quenten Umsetzung im Kredit- und Investmentgeschäft sowie in der Produktgestaltung. Ein systematisches Monitoring von Klima- und Naturwirkungen über alle Geschäftsbereiche hinweg ist nicht
flächendeckend etabliert.
Großen Handlungsbedarf zeigen die Banken beim Themenfeld Biodiversität, das von den
betrachteten Instituten aktuell nur punktuell in Zielsysteme, Datenstrukturen und Steuerungs-prozesse
integriert wird. Biodiversitätsziele und entsprechende Strategien sind – mit Ausnahme der Institute an der Spitze des Rankings – bestenfalls in Ansätzen vorhanden.
Dabei hängt über die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung direkt oder indirekt von funktionie-renden Ökosystemen ab. Geraten diese aus dem Gleichgewicht, trifft das Unternehmen unmit-telbar –
durch gestörte Lieferketten, knapper werdende Rohstoffe oder Extremwetterereignisse.
„Die Integration von Klima und Biodiversität in das Kerngeschäft der Banken stärkt die Resilienz, weil Risiken frühzeitig bepreist und die Werte finanzierter Assets geschützt werden.
Gleichzeitig entstehen Wachstumschancen in Schlüsselbranchen, die Produktivität und regionale Wert-schöpfung erhöhen – von erneuerbarer Energie über Effizienz und
Kreislaufwirtschaft bis zu naturbasierten Lösungen. Banken entscheiden mit jedem Kredit, ob wir eine zukunftsfähige Wirtschaft finanzieren – oder die nächste Krise", so Knewitz.
„Diesen Hebel müssen sie konsequent nutzen. Denn intakte Ökosysteme sind die Basis für wirtschaftliche Stabilität."
Mit den EBA-Leitlinien steigen die regulatorischen Anforderungen. Banken müssen ESG-Risiken künftig systematisch identifizieren, bewerten und steuern. Das Rating zeigt, dass viele Institute hier noch
Nachholbedarf haben. „Mit den neuen EBA-Leitlinien wird Nachhaltigkeit zur Pflicht”, sagt Knewitz. „Was jetzt nötig ist, sind ehrgeizige, überprüfbare und wissenschaftlich fundierte Ziele für
Klima- und Biodiversitätsschutz, die fest in Geschäftsstrategie, Kredit- und Anlageent-scheidungen sowie in Preis- und Kapitalsteuerung verankert sind. Dafür braucht es verlässliche Daten
und Monitoringprozesse, die Risiken und Wirkungen transparent machen, sowie ein aktives Verantwortungsverständnis mit klaren Erwartungen, abgestimmten Verfahren und angemessenen
Konsequenzen. Nur so werden Banken zu einem treibenden Motor einer widerstandsfähigen und wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft“
Hintergrund:
Das WWF-Bankenrating hat 15 deutsche Banken in drei Bereichen bewertet:
Governance, Finanzieren und Investieren. Grundlage war ein Fragebogen mit 55 Fragen-komplexen. Bewertet wurde auf Basis von Selbstauskünften und öffentlich verfügbaren Informationen, Umsetzungspartner war Deloitte.
Das WWF Bankenrating legt einen Schwerpunkt auf die Transformationsleistung der Banken. Es bewertet nicht nur den aktuellen
Zustand der Portfolios, sondern vor allem, wie glaubhaft und konsequent Banken ihre Geschäftstätigkeit auf eine nachhaltige Zukunft ausrichten und die notwendige Transformation unserer Wirtschaft
begleiten und finanzieren.
Der Transformationsfokus des Ratings bedeutet auch, dass Banken, die heute noch einen hohen Anteil ökologisch problematischer
Engagements halten, dennoch eine hohe Bewertung erzielen können, wenn sie sich klar zu einer ambitionierten Transformation verpflichten und diese Ver-pflichtung durch konkrete Strategien,
verbindliche Prozesse und messbare Zielvorgaben um-setzen. Maßgeblich ist, ob Banken heute die richtigen Schritte einleiten, um ihre Kredit- und Investitionstätigkeiten systematisch an Klima- und
Biodiversitätszielen auszurichten, und so zu einem erfolgreichen Gelingen der Transformation beitragen.
Die Ergebnisse der Banken können in individuellen Factsheets nachvollzogen werden.
Der WWF hat in der Vergangenheit bereits zwei Bankenratings veröffentlicht, allerdings ist ein Vergleich nur bedingt möglich, da unter anderem unterschiedliche Analysetools zum Einsatz
kamen und zum Teil andere Gewichtungen vorgenommen wurden.
Quelle: WWF
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