9. Januar 2026 | Umfrage der Deutschen Umwelthilfe:
155 Städte haben Interesse an Verpackungssteuern
für weniger Einweg-Müll
Berlin. Laut einer neuen Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) haben 155 Städte Interesse an der Einführung einer Steuer auf
Einweg-Takeaway-Verpackungen. Freiburg führt zum
1. Januar 2026 als dritte Stadt nach Tübingen und Konstanz die Einweg-Steuer ein. Sieben weitere Städte bereiten nach ersten Beschlüssen die Einführung von Einweg-Verpackungssteuern vor: Bonn,
Bremen, Köln, Oberhausen, Osnabrück, Rottenburg am Neckar und Troisdorf. 42 Städte, darunter Bochum, Erfurt, Hamburg und Potsdam, gaben an, sich in Prüfung zu befinden. 21 weitere beraten über
Anträge in ihren Gremien, die teilweise über die DUH eingereicht wurden, darunter Bielefeld, Mainz und Stuttgart. Grundsätzliches Interesse an einer Einwegsteuer, aber noch ohne konkrete Prüfungs-
oder Beratungsprozesse, zeigen 85 weitere Städte.
Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH: „Immer mehr Städte wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie Einweg-Takeaway-Verpackungen den öffentlichen Raum vermüllen und die
Umwelt belasten. Verpackungssteuern sind ein wirksames Instrument für mehr Stadtsauberkeit, weniger Abfall und mehr Ressourcenschutz. Damit sie bei der Gastronomie sowie bei Bürger-innen und Bürgern
breite Akzeptanz finden, müssen Kommunen die Steuer konsequent mit dem Aufbau einer funktionierenden Mehrweginfrastruktur verbinden. Bei der anstehenden Novelle des Verpackungsgesetzes bietet der vom
Bundesumweltministerium vorgeschlagene Förder-mechanismus für Mehrweg große Chancen – aber nur, wenn er richtig ausgestaltet wird. Wir fordern Umweltminister Schneider auf, die Kommunen einzubeziehen
und den gezielten Aufbau von Mehrweginfrastruktur vor Ort verbindlich zu fördern.“
Erfahrungen aus Tübingen und Konstanz belegen, dass die Verpackungssteuer wirkt:
Die Vermüllung des öffentlichen Raums ist zurückgegangen, Mehrwegangebot und -nutzung haben stark zugenommen. Die Nutzung von Mehrwegbehältnissen des Systems Vytal hat sich in Tübingen durch die
Einführung der Steuer nahezu verdoppelt. In einer Befragung gaben 73 Prozent der Betriebe an, ihren Einweg-Verbrauch seit 2019 reduziert zu haben – 17 Prozent verzichten inzwischen sogar komplett auf
Einweg-Verpackungen. Auch wirtschaftlich rechnet sich die Steuer: Im Jahr der Einführung hat Tübingen eine Million Euro eingenommen, was die Verwal-tungskosten um das Neunfache
übersteigt.
Die DUH kritisiert daher umso mehr, dass Bayern beschlossen hat, seinen Kommunen dieses zentrale Instrument ab Januar 2026 zu
verbieten.
Elena Schägg, stellvertretende Leiterin Kreislaufwirtschaft der DUH: „Bei unserer Umfrage im Februar 2025 zeigten sich
neun bayerische Städte an einer Verpackungssteuer interessiert. Diese Städte rufen wir auf, sich nicht entmündigen zu lassen im Einsatz gegen Einweg-Müll und sich gegen das Verpackungssteuerverbot
rechtlich zu wehren. Viele Städte, die eine Einführung ernsthaft prüfen, werden außerdem massiv von Gastronomie- und Handelsverbänden unter Druck gesetzt. Das ist ein Grund, warum inzwischen 46
Städte die Einführung einer Verpackungssteuer nach Prüfung abgelehnt haben – darunter Dortmund und Hameln. Wir werden unsere Beratungs-arbeit deshalb fortsetzen und Kommunen dabei unterstützen, trotz
Gegenwehr gegen die Müllflut aktiv zu werden.”
Hintergrund: Mit der Initiative „Plastikfreie Städte“ fordert die DUH Städte unter anderem auf, örtliche Verbrauchssteuern auf Einweg-Takeaway-Verpackungen zu erheben. Bereits
2023, 2024 und im Februar 2025 hat die DUH Städte zur Einführung einer solchen Verpackungssteuer befragt. Im Februar 2025 hatten 144 Städte Interesse an der Einführung rückgemeldet. Über eine
Online-Mitmachaktion der DUH können Bürgerinnen und Bürger ihrer Stadt zeigen, dass sie sich ein rasches Ende der Einweg-Müllflut wünschen.
Quelle: DUH
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