02. März 2026 | Treibhausgase
Skandal am Hamburger Hafen: Deutsche Umwelthilfe reicht Untätigkeitsklage wegen Begasung von Exportholz mit extrem klimaschädlichem Pestizid ein
Berlin: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat mit fachlicher Unterstützung des Umweltinstituts München Klage beim Verwaltungsgericht Hamburg
gegen die Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) und die Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation (BWAI) eingereicht. Die Hamburger Behörden gehen trotz
F-Gase-Verordnung nicht gegen die Begasung von Holz mit dem extrem klimaschädlichen Pestizid ProFume vor. ProFume enthält den Wirkstoff Sulfurylfluorid, ein fluoriertes Treibhausgas (F-Gas), das mehr
als tausendfach klimaschädlicher als CO2 ist. Durch Leckagen und die anschließende Belüftung der Container wird Sulfurylfluorid vollständig freigesetzt. Allein 2023 entsprachen die
Sulfurylfluorid-Emissionen aus Hamburg rund 1,5 Millionen Tonnen CO2, das sind etwa so viel wie die jährlichen Emissionen von Göttingen, Wolfsburg oder Ulm. Das Holz wird im Hamburger
Hafen in Containergasanlagen für den Export nach China vorbereitet.
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Hamburger Behörden sehen tatenlos dabei zu, wie einer der größten Betreiber von Containergasanlagen Exportholz ohne Rücksicht auf
Verluste mit schwer klimaschädlichen Pestiziden begast. Aus gutem Grund verbietet die F-Gase-Verordnung diese Anwendung. Die Hamburger Behörden schreiben sich auf die Fahne, die Hansestadt
klimaneutral machen zu wollen – gleichzeitig heizt ihre Untätigkeit am Hamburger Hafen massiv das Klima an. Wir fordern die Behörden nun vor Gericht auf, die Begasungen am Hamburger Hafen endlich zu
stoppen, zumal klimafreundliche Alternativen zur Schädlingsbekämpfung vorhanden sind.“
Die Umweltorganisationen hatten zuvor durch Umweltinformationsanfragen Hinweise darauf erhalten, dass Behördenpflichten nicht oder nicht ausreichend umgesetzt wurden. Aus den in 2024 und 2025 an
Hamburger Behörden versendeten Anfragen ergab sich, dass die Behörden Anwendungen in undichten Containern tolerieren und Handlungsanweisungen für Begasungen bei Temperaturen unterhalb der in der
Zulassung für ProFume als wirksam angegebenen Temperaturbereiche verwendet werden. Diese Praxis kann zu höheren Begasungsmengen und einem Risiko von Resistenzentwicklungen beitragen.
Fabian Holzheid, Geschäftsführer Umweltinstitut München: „Der Einsatz von Sulfurylfluorid zur Begasung von Holz ist eine extrem klimaschädliche Praxis, die nicht einmal den
gewünschten Zweck erfüllt. Diesem Missstand schieben wir mit unseren Klagen einen Riegel vor. Alternativen, wie etwa die Dampfbehandlung sind nicht nur deutlich umweltfreundlicher, sondern auch
wirksam und günstig. Dies geht aus dem KLIMAtiv-Projekt des Julius-Kühn-Instituts und des Thünen Instituts vom Dezember 2025 hervor.“
Hintergrund:
Die DUH, das Umweltinstitut München und Protect the Planet klagen seit März 2025 auf ein Verbot des extrem klimaschädlichen Pestizids ProFume vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig. Die
Umweltorganisationen wollen erreichen, dass das Mittel mit dem Wirkstoff Sulfurylfluorid nicht mehr in die Atmosphäre gelangt und das Klima anheizen darf.
Quelle: Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)
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