27. Februar 2026 | UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer
Historischer Sieg für den Schutz des Wattenmeers: Gericht stoppt Ölförderung auf der Mittelplate nach Eilantrag der Deutschen Umwelthilfe
Berlin: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen bedeutenden juristischen Erfolg zum Schutz der Natur und des Klimas erzielt: Die
Ölförderung auf der Bohrinsel Mittelplate im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer muss sofort gestoppt werden. Das hat das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht am 26.02.26 mit Verweis auf die
fehlende FFH-Verträglichkeitsprüfung entschieden, die nach deutschem und europäischem Naturschutzrecht zwingend vorgeschrieben ist. Eine Wiederaufnahme des Betriebs ist erst zulässig, wenn
nachgewiesen ist, dass keine erheblichen Beeinträchtigungen für das Wattenmeer zu erwarten sind. Eine Beschwerde gegen den Beschluss hätte keine aufschiebende Wirkung. Der Beschluss ist sofort
vollziehbar.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Diese Entscheidung ist ein historischer Erfolg für den Naturschutz und ein klares Signal: Deutschlands größtes
Weltnaturerbe darf nicht ohne gründliche Prüfung der Naturschutzauswirkungen der Ölförderung ausgebeutet werden. Das Wattenmeer ist eines der empfindlichsten und wertvollsten Ökosysteme Europas und
darf nicht weiter durch Ölförderung gefährdet werden. Die Ölförderung durch die veraltete Plattform Mittelplate bedeutet ein enormes Risiko für alles Leben im Wattenmeer. Mit jedem Tag steigt die
Gefahr eines Unfalls. Die Folgen einer Ölpest wären für das Wattenmeer und seine Funktion katastrophal – Millionen von Wattwürmern, aber auch Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale würden ihre
Nahrungsquelle und Lebensgrundlage im Watt verlieren.“
Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der DUH: „Die Mittelplate-Entscheidung zeigt vor allem eins: Die fossile Ära in Deutschland muss enden – nicht irgendwann,
sondern jetzt. Es ist gut, dass die Landesregierung Schleswig-Holstein mit 2041 endlich ein Enddatum für diese schmutzige Förderung gesetzt hat, aber das ist im Angesicht der Klimakrise leider viel
zu spät. Die Pläne der Bundesregierung, mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz die Öl- und Gasheizung zu retten, sind völlig aus der Zeit gefallen. Von der Bundesregierung fordern wir, endlich den
schrittweisen Ausstieg aus Öl und Gas verantwortungsbewusst vorzubereiten, anstatt die Hand mit politisch gewollten Rückschritten wie dem Heizungsgesetz schützend über fossile Geschäftsmodelle und
Umweltzerstörung zu halten. Bundes- und Landesregierung sind jetzt gefragt, einen verbindlichen Plan für den sofortigen Ausstieg aus der fossilen Förderung im Wattenmeer vorzulegen."
Hintergrund:
Die DUH macht mit dem Verfahren fehlende Prüfungen der Umweltauswirkungen des risikoreichen Förderprojektes geltend. Für die seit 1987 bestehende Ölförderung auf der Bohrinsel Mittelplate wurde
niemals eine FFH-Verträglichkeitsprüfung gemäß der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie durchgeführt, obwohl das Wattenmeer bereits seit 1998 als FFH-Gebiet sowie seit 2001 als Europäisches
Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist und die Bohrinsel in einem der sensibelsten Ökosysteme Europas liegt. Im Mai 2024 war die Schleswig-Holsteinische Landesregierung den Forderungen von Umweltverbänden
und des UNESCO-Komitees gefolgt und hatte die beantragte Erweiterung der Ölförderung Mittelplate abgelehnt sowie das Ende der Ölförderung im Wattenmeer für 2041 beschlossen.
Quelle: Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH)
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