13. Januar 2026
Sensibles Naturschutzgebiet und EU-Vogelschutzgebiet in Wilhelmshaven droht fossilem Industriepark geopfert zu werden
Umweltverbände schließen Schutzbündnis für den Voslapper Groden-Nord!
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Hannover/Berlin – Der NABU Niedersachsen, die Deutsche Umwelthilfe und der BUND Nieder-sachsen haben sich zu Jahresbeginn in einem Bündnis für den Erhalt des Naturschutzgebiets Voslapper Groden-Nord zusammengeschlossenen. Mit großem Nachdruck verfolgt die Stadt Wilhelmshaven aktuell den Plan, den Voslapper Groden-Nord – eines der wertvollsten Natur-gebiete der Region – für industrielle Bebauung freizugeben. Die belgische Firma Tree Energy Solutions (TES) und ihr Joint Venture Deutsche Grüngas und Energieversorgung GmbH (DGGEV) stehen bereits in den Startlöchern, um auf der Fläche des Naturschutzgebietes u.a. eine Anlage für den Import von fossilem LNG zu errichten.
Das Schutzbündnis der Umweltverbände kündigt an, wenn nötig auch auf dem rechtlichen Weg, gegen diese vollständige Entwertung der Fläche
vorzugehen. Für die Realisierung des Projektes müssen der Flächennutzungsplan, der Bebauungsplan sowie die Naturschutzgebiets-Verordnung Voslapper Groden-Nord geändert werden.
Prof. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen: „Während die Artenvielfalt weltweit und auch in Niedersachsen weiter dramatisch zurückgeht, geraten unsere natürlichen Lebensgrundlagen zunehmend ins Wanken. In dieser Situation ein einzigartiges Schutzgebiet wie den Voslapper Groden-Nord ausgerechnet für industrielle Interessen zu opfern, wäre ein fatales Signal. Schon heute läuft ein Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission gegen Deutschland wegen der mangelhaften Umsetzung der Vogelschutzrichtlinie.
Niedersachsen hinkt dabei besonders hinterher. Eigentlich müssten neue Schutzgebiete ausge-wiesen werden, nicht bestehende gestrichen. Ein so bedeutendes Vogelschutzgebiet zu opfern, ohne dafür einen gleichwertigen Ausgleich zu schaffen, wäre ein EU-weiter Präzedenzfall mit unabsehbaren Folgen - auch für das Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof.“
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die Pläne für einen Import-Industriepark in Wilhelmshaven werden vollständig auf Kosten des Biodiversitäts- und Natur-schutzes gemacht. Die Stadt will hier ein wichtiges Schutzgebiet für seltene und vom Aussterben bedrohte Vogelarten komplett entwerten. Alternative Umsetzungsmöglichkeiten, bei denen sich das Projekt auf tatsächlich grüne Produkte beschränkt und Synergien mit bestehender Industrie und den dafür vorhandenen Flächen in Wilhelmshaven nutzt, wurden nicht geprüft. Der Großteil des geplanten Energieparks hat nur einen grünen Anstrich, bedient letztlich aber vor allem fossile Interessen.“
Susanne Gerstner, Landesvorsitzende des BUND Niedersachsen: „Ein international bedeu-tendes Schutzgebiet wie der Voslapper Groden-Nord ist eindeutig der falsche Standort für die Realisierung großflächiger Industrievorhaben. Für dieses einmalige Brut- und Rastgebiet mit seinen bedrohten Vogelarten wie Rohrdommel und Blaukehlchen gibt es weder in Wilhelmshaven noch in der Region geeignete Ausgleichs- oder Ersatzflächen. Ein solches Gebiet mit seinem herausragenden Arteninventar kann nicht einfach verlegt und darf deshalb nicht für die wirt-schaftlichen Interessen einzelner Konzerne aufgegeben werden.“
Hintergrund: Das Naturschutzgebiet „Voslapper Groden-Nord“ ist seit 2007 geschützt und ein international bedeutendes Brut- und Rastgebiet bedrohter Vogelarten. Besonders geschützte Arten wie die Rohrdommel, das Blaukehlchen, und der Schilfrohrsänger sind dort zu Hause. Die Firma Tree Energy Solutions, hat bereits seit längerer Zeit Interesse an dem sensiblen Gebiet geäußert.
Quelle: NABU Niedersachsen
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