12. März 2026 | Neue Studie
Waldschäden nehmen im Klimawandel zu
Waldbrände, Stürme und Borkenkäfer haben großen Einfluss auf Europas Wälder und die Leistungen, die diese für Klima, Mensch und Umwelt erbringen. Ein internationales Team unter der Federführung der Technischen Universität München (TUM), geleitet von Nationalpark-Forschungsleiter Prof. Rupert Seidl, hat nun erstmals berechnet, wie diese drei Faktoren die Wälder in ganz Europa bis zum Jahr 2100 verändern könnten. Das Ergebnis: Forschende gehen von einem deutlichen Anstieg der geschädigten Flächen aus, sogar eine Verdoppelung der Waldschäden ist bis zum Ende des Jahrhunderts möglich. Die Ergebnisse der Studie wurden in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlicht.
Borkenkäfer, Waldbrände, Wassermangel, Stürme und Schneebruch setzen die Wälder Europas zunehmend unter Druck und sorgen für Störungen. Sechs Jahre lang hat ein internationales Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erforscht, wie viel Waldfläche in Europa künftig durch den Klimawandel geschädigt werden könnte. Unter der Leitung von Prof. Rupert Seidl untersuchten die Experten außerdem, wie sich die Altersstruktur in Europas Wäldern durch steigende Waldschäden verändern könnte. Bei der Auswertung der Daten kam ein KI-gestütztes Simulationsmodell zum Einsatz, das mit über 100 Millionen Datenpunkten aus Waldsimulationen für 13.000 Orte in Europa trainiert wurde. Die Ergebnisse kombinierten die Experten mit aktuellen Satellitendaten zu Waldstörungen. Mit dieser Methodik können die Forschenden die künftige Waldentwicklung sowie das Auftreten von Störungen hektargenau berechnen und detaillierte Aussagen zu regionalen Entwicklungen treffen. Die Ergebnisse sind für die Waldbehandlung und Waldpolitik in ganz Europa von Bedeutung. „Die in der renommierten Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie zeigt, wie international vernetzt, auf welch hohem wissenschaftlichen Niveau und an welch wichtigen Themen unser Forscherteam im Nationalpark arbeitet“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Roland Baier.
Die Ergebnisse der Studie sind alarmierend: Bei einer Erderwärmung von etwas mehr als 4 Grad Celsius kann sich das Ausmaß der von Bränden, Stürmen und Borkenkäfern geschädigten Fläche in den kommenden 75 Jahren mehr als verdoppeln. Selbst bei einer angenommenen Erwärmung von nur 2 Grad Celsius erwarten die Forschenden bis zum Jahr 2100 einen deutlichen Anstieg der Störungen in Wäldern. Besonders betroffen sind die Wälder Süd- und Westeuropas, die sich im Klimawandel stark verändern werden. Auch in Nordeuropa wird dieser Wandel sichtbar sein – grundsätzlich jedoch weniger deutlich, wobei auch hier lokale und regionale Hotspots zu erwarten sind.
Für Studienleiter Prof. Seidl steht fest: „Wir Europäer werden uns in den kommenden Jahren auf große Schäden in unseren Wäldern einstellen müssen. Diese Entwicklung ist eine Herausforderung für die Waldbewirtschaftung, bietet aber auch die Chance, neue, klimaangepasste Wälder zu begründen. Denn grundsätzlich gilt für weite Teile Europas, dass Waldschäden nicht zu einem Waldverlust führen. Der Wald der Zukunft wird jedoch anders aussehen als der Wald heute. Es ist wichtig, Störungen im Wald immer im Kontext der Ziele für eine Waldfläche zu beurteilen: Während die Holzproduktion im Wirtschaftswald stark unter zunehmenden Störungen leidet, führten die Störungen der letzten Jahre im Nationalpark Berchtesgaden zu einem Anstieg der Artenvielfalt. Nationalparkleiter Dr. Baier ergänzt: „Der Wald der Zukunft wird wohl kleinstrukturierter sein. Wärmeliebende Baumarten wie die Eiche können in den unteren Höhenlagen einwandern und die Bäume werden aufgrund zunehmender Störungen vielleicht nicht mehr so alt.“ Gleichzeitig zeigen Studien wie die aktuell vorliegende, wie wichtig Nationalparke als Referenzfläche für möglichst unbeeinflusste Systeme sind. Nur hier können Wissenschaftler beobachten, wie Wälder ohne menschliche Einflussnahme im Klimawandel reagieren, um daraus Folgerungen für die Praxis ableiten.
Quelle: Nationalpark Berchtesgaden
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