24. März 2026 | Gartensaison
BUND-Einkaufsführer "Torffrei gärtnern"
Umweltverband ruft Gärtner*innen zum Schutz der Moore auf
Berlin. Die Gartensaison hat begonnen. Aus diesem Anlass veröffentlicht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine aktualisierte Übersicht zu Erden ohne Torf, die bundesweit in Bau- und Supermärkten, Gartencentern sowie online erhältlich sind.
Corinna Hölzel, BUND-Gartenexpertin: „Ob für Blumen- oder Gemüsebeet, Balkonkasten, Kräutertopf, Anzucht oder Hochbeet: Wer zu Klima- und Artenschutz beitragen will, sollte beim Gärtnern zu torffreier Erde greifen. Denn jeder Sack herkömmlicher Erde enthält Torf und damit wertvolles Moor – ein wichtiger Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen und ein bedeutender CO2-Speicher.“
Moore und ihre dicken Torfschichten sind über Jahrtausende gewachsen. Sie speichern viel Kohlenstoff. Werden sie für die Gewinnung von Torf abgebaggert, gehen wichtige Lebensräume für seltene Arten verloren. Und große Mengen des Treibhausgases CO2 gelangen wieder in die Atmosphäre.
Torffeie Erden zu Hause herstellen
Hölzel: „Es gibt inzwischen zahlreiche Alternativen zu den klimaschädlichen torfhaltigen Erden. Komposterden etwa eignen sich hervorragend für nahezu alle Obst- und Gemüsearten. Für Anzuchten und Topfpflanzen kann die Erde auf rund 80 Grad erhitzt werden, um Beikrautsaaten und Keime abzutöten. Unser aktueller Einkaufsführer gibt Tipps, wo torffreie Erden erhältlich sind, aber auch, wie man im Garten oder auf dem Balkon Kompost selber herstellen kann.“
In dem Einkaufsführer sind über 350 Produkte von 27 Herstellern aufgelistet, die bundesweit verfügbar sind. Er gibt zudem Auskunft über 16 große Gartencenter und Baumärkte mit den jeweils dort verfügbaren torffreien Produkten.
Hölzel: „Moore sind einzigartige Ökosysteme und bedeutende Klimaschützer, die wir bewahren müssen. Torf gehört deshalb auf keinen Fall in den Garten oder in Blumenkübel. Doch um die Nachfrage nach Billigblumenerde zu befriedigen, ist – nachdem die meisten der hiesigen Moore bereits zerstört sind – der Ausverkauf osteuropäischer Moore in vollem Gange. Es ist eine Katastrophe, wenn diese noch weitgehend intakten Lebensräume abgebaggert und unwiederbringlich zerstört werden.“
Rund drei Millionen Kubikmeter Torf werden in Deutschland jedes Jahr in Blumenerden verbraucht, knapp zwei Millionen davon in Hobbygärten. Ein großer Teil des Torfs kommt aus dem Import. Die gute Nachricht ist, dass aufgrund des Klimaschutzplans der Bundesregierung der Torfanteil in verkauften Erden sinkt.
Moore ein Hotspot der Artenvielfalt
Moore beheimaten zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Goldregenpfeifer, Hochmoorbläuling oder Sonnentau. Das sind Arten, die fast nur dort leben können. Zudem bedecken Moore weltweit nur drei Prozent der Landoberfläche, speichern jedoch doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder weltweit - auf einer rund sieben Mal so großen Fläche.
Hölzel: „Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wissen nicht, dass sich jede Menge Torf im Sack befindet, wenn sie Blumenerde kaufen. So leisten sie unbewusst der Zerstörung dieses so wichtigen Lebensraumes und der Freisetzung von CO2 weiter Vorschub. Beim Kauf sollten sie unbedingt auf den Begriff ‚torffrei‘ achten. Denn auch torfarme Erde oder Bio-Erde können noch große Mengen wertvolles Moor enthalten.”
Hintergrund:
Torf ist eine Ansammlung von nicht oder nur teilweise zersetzter pflanzlicher Substanz und entsteht unter Luftabschluss im Moor. Eine zentrale Rolle spielen hierbei die Torfmoose, die in Hochmooren wachsen. Ein gesundes Hochmoor wächst in einem Jahr nur etwa einen Millimeter, das sind für einen Meter Torf etwa tausend Jahre. Ist ein Feuchtgebiet erstmal durch Trockenlegung oder Abbau zerstört, dauert es Jahrzehnte, bis es wenigstens wieder von einigen typischen Pflanzen- und Tierarten besiedelt wird und Jahrhunderte, bis sich die ursprünglichen Lebensgemeinschaften wieder zusammenfinden, wenn überhaupt.
In Estland, Lettland, Litauen und Russland sind riesige Moorflächen vorhanden, die nicht nur seltenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten, sondern auch als Kohlenstoffspeicher eine große Bedeutung haben. Sie zählen zu den größten und kostbarsten Hochmooren Europas. So sind zum Beispiel in Estland rund 22 Prozent der Landesfläche Moor, insgesamt entspricht das einer Fläche von ca. 1 Million Hektar, 10.000 Moore sind über das Land verteilt. Zur Zeit der Sowjetunion wurden große Mengen Torf als Brennstoff und als Einstreu genutzt. In den letzten 30 Jahren haben sich insbesondere deutsche und andere westeuropäische Firmen in diesen Ländern Rohstoffe gesichert, um den expandierenden Gartenbau und die Nachfrage nach Blumenerden in Europa zu bedienen. So werden auf zehntausenden Hektar Moore abgebaggert, um Torf zu gewinnen und zu exportieren.
Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e. V.
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