04. März 2026 | Nationalparks
Grafenau/Vimperk. Seit Ende des 19. Jahrhunderts galt der Biber sowohl in Bayern als auch in Tschechien als ausgestorben. Nach Wiederansiedelungen in den 1960er Jahren, kehrte der Baumeister der Natur erst zur Jahrtausendwende auch in die Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava zurück. Bei einem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt namens „BioBeaver“ sollen nun die Populationen und deren Einfluss auf die Biodiversität und Hydrologie erforscht werden.
„Biber werden häufig als Ökosystemingenieure bezeichnet, weil sie durch das Bauen von Dämmen und das Auflichten von Waldstrukturen maßgeblich Lebensräume verändern“, erklärt Prof. Marco Heurich, Leiter des Sachgebietes Nationalparkmonitoring und Tier-Freigelände. „Sie schaffen Feuchtgebiete, tragen zum Wasserrückhalt und zur Entstehung neuer Nischen für spezialisierte Arten bei.“ Wie Heurich weiter erläutert, führe dieses Verhalten in der Kulturlandschaft jedoch auch zu Konflikten mit Landnutzern, insbesondere der Land- und Forstwirtschaft. Deshalb sollen neben einer gemeinsamen Strategie zum Schutz des Bibers und gefährdeten Ökosystemen in den beiden Nationalparken auch Lösungsansätze zur Konfliktvermeidung zwischen Mensch und Biber erarbeitet werden. Lokale Akteure werden dabei aktiv mit eingebunden.
„Wir haben uns drei Themenschwerpunkte vorgenommen“, sagt Projektmitarbeiterin Lucia Jobst. „Zum einen wollen wir den aktuellen Zustand und die Dichte der Biberpopulationen in beiden Nationalparken erfassen und bewerten.“ Der zweite Teil des Projektes beschäftigt sich mit der Biodiversität in den Biberrevieren. „Mit Foto- und Insektenfallen und auch mit DNA-Analysen werden wir die verschiedenen dort lebenden Arten erfassen und somit die Grundlage für den Schutz weiterer seltener Arten schaffen“, erläutert Jobst. Der dritte Punkt befasst sich mit dem Einfluss des Bibers auf die Hydrologie, also den Wasserkreislauf. Dafür werden 100 Biberdämme in beiden Nationalparks vermessen, um Rückschlüsse über den Wasserrückhalt zu gewinnen. Wasserproben sollen Erkenntnisse zu möglichen Verbesserungen der Wasserqualität unterhalb der Biberreviere liefern.
Das Projekt „BioBeaver“ wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Interreg-Programms gefördert und läuft bis Ende 2028.
Quelle: Nationalpark Bayerischer Wald
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