03. März 2026 | Biodiversitätskrise
NABU: Artenvielfalt retten ist eine Frage des politischen Willens
Kurzfristige wirtschaftliche Interessen gefährden unsere natürlichen Lebensgrundlagen
Hannover – Zum Internationalen Tag des Artenschutzes am 3. März warnt der NABU Niedersachsen eindringlich vor einer weiteren Zuspitzung der Biodiversitätskrise: Trotz alarmierender wissenschaftlicher Erkenntnisse schreitet das Artensterben ungebremst voran, während politische Entscheidungen und wirtschaftliche Einzelinteressen immer wieder den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume untergraben.
„Wir wissen seit Jahren, dass die biologische Vielfalt dramatisch abnimmt. Dennoch erleben wir derzeit, dass Schutzstandards aufgeweicht und Lebensräume geopfert werden“, erklärt Lamin Neffati, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. „Das ist ein fatales Signal in einer Zeit, in der wir jeden Quadratmeter intakter Natur dringend brauchen.“
Wolf zwischen Schutzstatus und Klientelpolitik
Der Wolf steht exemplarisch für den konfliktreichen Umgang mit geschützten Arten. Nach seiner Rückkehr ist er erneut ins Zentrum politischer Debatten geraten. Statt auf sachliche Lösungen und
konsequenten Herdenschutz zu setzen, drohen politische Vorstöße zur Absenkung des Schutzstatus, die den jahrzehntelang erkämpften Artenschutz aushöhlen.
„Der Wolf ist geschützt, weil er europaweit fast ausgerottet war. Wer nun aus kurzfristigem politischem Kalkül am Schutzstatus rüttelt, stellt Klientelinteressen über rechtsverbindlichen Naturschutz“, so Neffati. Eine stabile Koexistenz von Mensch und Wolf ist möglich, wenn bestehende Schutzinstrumente konsequent umgesetzt und ausreichend finanziert werden.
Zerstörung von Schutzgebieten für fossile Infrastruktur
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des NABU die Situation in Wilhelmshaven. Dort soll für den Bau eines LNG-Terminals ein europäisches FFH-Vogelschutzgebiet zerstört werden. Der NABU
Niedersachsen geht juristisch gegen dieses Vorgehen vor.
Gerade Rast- und Brutgebiete an der Küste sind für zahlreiche bedrohte Vogelarten von internationaler Bedeutung. Der Fall Wilhelmshaven steht stellvertretend für eine Entwicklung, bei der selbst rechtlich geschützte Lebensräume als verzichtbar behandelt werden, wenn kurzfristige energiepolitische oder wirtschaftliche Interessen vorliegen. Weltweit werden so ökologisch hoch bedeutsame Gebiete in ihrer Funktion unterschätzt und schrittweise zerstört, ohne die langfristigen Folgen für Artenvielfalt, Klimaschutz und ökologische Stabilität ausreichend zu berücksichtigen.
„Es ist widersprüchlich, einerseits das fortschreitende Artensterben zu beklagen und andererseits wertvolle Schutzgebiete für fossile Infrastruktur zu opfern“, betont Neffati. Der Verlust solcher Lebensräume wirkt langfristig und beschleunigt das Artensterben.
Artensterben verschärft sich weiter
Weltweit und auch in Niedersachsen verschlechtern sich die Zustände vieler Ökosysteme weiter. Moore werden noch immer entwässert, artenreiche Wiesen intensiv genutzt, Wälder vielerorts nicht naturnah
entwickelt. Dabei ist wissenschaftlich eindeutig belegt, dass intakte Ökosysteme nicht nur Lebensraum für Tiere und Pflanzen sind, sondern auch zentrale Verbündete im Kampf gegen die
Klimakrise.
Wenn weiterhin kurzfristige wirtschaftliche oder politische Interessen Vorrang erhalten, geraten langfristige ökologische Stabilität und damit auch unsere eigene Lebensgrundlage ins Hintertreffen. Das widerspricht nationalen, europäischen und internationalen Verpflichtungen zum Schutz der Biodiversität.
Quelle: NABU Niedersachsen
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