13. Februar 2026
Auf Spurensuche an der Kinzig:
Fahndung nach dem scheuen Fischotter
Main-Kinzig-Kreis. Wie jedes Jahr um diese Zeit ist die Gesellschaft für Naturschutz und Auen-entwicklung (GNA e.V.) auf Spurensuche, in der Hoffnung, den Fischotter (Lutra lutra) auch wieder an der Kinzig nachweisen zu können. Denn in früheren Zeiten, bevor man ihn nahezu ausgerottet hatte, war er hier zu Hause.
„Jetzt im Winter sind die Gewässerufer noch frei von Vegetation und deshalb einigermaßen begehbar. Gesucht wird nach Spuren und Hinterlassenschaften der scheuen Tiere, denn einen Fischotter live zu sehen wäre wie ein Sechser im Lotto.“, berichtet Dr. Helmut Steiner von seiner Arbeit.
„Ich suche nach Trittsiegeln. Das sind Pfotenabdrücke, die man besonders gut auf Sandbänken, an schlammigen Stellen und flachen Ausstiegen am Gewässer entdecken kann.“ Ein weiteres Indiz für das Vorhandensein eines Otters sei seine Losung. Otterkot liegt meist als Revier-markierung unter Brückenbauwerken auf Steinen, Wurzeln oder kleinen Erhöhungen am Ufer, riecht stark und ist voller Fischschuppen und Gräten.
Die mehrtägige Spurensuche der GNA ist Teil der Aktion „Otterspotter“, einer deutschlandweiten Otterkartierung, die vom Otterzentrum im niedersächsischen Hankensbüttel koordiniert wird. Von hier aus sammelt die Aktion Fischotterschutz e. V. seit über zwanzig Jahren Daten zur Fisch-otterverbreitung. Die Nachweise stammen aus systematischen Erhebungen, Zufallsmeldungen und von Totfunden. Außerdem betreut das Otterzentrum das Netzwerk ehrenamtlicher Spuren-sucher und führt regelmäßig Schulungen durch.
Seit 2014 erstmals wieder Nachweise in Hessen. 2018 fand die GNA im Rahmen des Projektes „Vorfahrt für den Fischotter“ Trittsiegel an der unteren Kinzig. Das ist bisher einer von nur zwei Nachweisen, wobei der zweite am Oberlauf zu finden war. Am gesamten mittleren Kinziglauf konnte noch kein Fischotter nachgewiesen werden, was aber nicht heißt, dass der nachtaktive Einzelgänger nicht schon einmal da war.
An Sinn und Jossa gibt es den Fischotter schon seit längerem wieder. An der Sinn konnte Dr. Steiner schon eindeutige Spuren ausmachen. Von dort müsste der Fischotter zur Kinzig kommen. Weit hätte er es nicht. Zwischen den Oberläufen der Bäche beider Einzugsgebiete liegen oft nur einige hundert Meter, was für eine mobile Art wie den Fischotter eigentlich kein Problem darstellt. Aber offensichtlich ist die Population an Sinn und Jossa noch nicht so groß, dass er es nötig hätte, umzuziehen.
Dr. Steiner: „Aktuelle Schätzungen gehen momentan davon aus, dass es in ganz Hessen erst sehr wenige Fischotter gibt: Insgesamt nur etwa 20 bis 30 Tiere. Das ist kein großer, stabiler Be-stand, sondern eine noch kleine, langsam wachsende Population, die es dringend zu schützen gilt.“
Spuren gibt es an der Kinzig genug – leider nur nicht vom Fischotter.
Der Waschbär hinterlässt überall seine Fußabdrücke. Auch wenn er mit seiner schwarzen Maske recht putzig aussieht: Der Waschbär ist ein Zuwanderer und für die Artenvielfalt eher ein Problem.
Das Gros der Trittsiegel ist aber vom Hund und zeugt von der regen Nutzung der Kinzigaue als Spazierweg. Das gefällt dem Otter sicherlich weniger.
„Vielleicht ist es dem Fischotter an der Kinzig auch zu geschäftig. Die Kinzig selbst fließt durch viele Ortschaften und Städtchen. Die landwirtschaftlichen Flächen reichen vielfach fast bis ans Ufer heran. Und wo Gehölzstreifen ihre Ufer säumen sind diese meist nur schmal. Der allent-halben angeschwemmte Müll gibt ein beredtes Zeugnis ab, wie sehr die Kinzig mit den Menschen verflochten ist. Die Menschen lieben die Kinzig, aber das gereicht ihr nicht zum Vorteil. Wir hoffen trotzdem …“, so Steiner.
Mehr zum GNA-Projekt „Vorfahrt für den Fischotter“ ist unter: www.gna-aue.de/projekte/fischotter/ zu finden. Das Faltblatt zum Projekt kann kostenlos angefordert werden.
Die Artenvielfalt erhalten und den Fischotter fördern. Die GNA ist eine gemeinnützige und unabhängige Naturschutzorganisation, die sich für den Natur- und Artenschutz einsetzt. Spenden an die GNA können steuerlich geltend gemacht werden.
Das Spendenkonto bei der Raiffeisenbank Rodenbach hat die IBAN DE75 5066 3699 0001 0708 00. Projektnachrichten, Bilder von Aktionen, Veranstaltungen und Informationen zu aktuellen Baustellen sind unter www.gna-aue.de zu finden.
Immer gut informiert ist man mit dem GNA Newsletter. Der kommt per E-Mail, kann kostenfrei abonniert und jederzeit abbestellt werden. Anmeldung über gna.aue@web.de.
Quelle: Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA e.V.)
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