17. März 2026 | Schmetterlinge
WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz andauernder
Bedrohungslage
Flattern im Krisenmodus
Berlin. Der Bestand des Amerikanischen Monarchfalters (Danaus plexippus) hat sich merklich erholt. Zu diesem Ergebnis kommt
eine aktuelle Erhebung des WWF, die den Bestand der Schmetterlinge in ihrem Winterquartier im mexikanischen Hochland untersucht. In der aktuellen Saison registrierten die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler insgesamt neun Kolonien der Tiere, die zusammen eine Waldfläche von 2,93 Hektar besetzten. Das entspricht einem Anstieg von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Daten stammen aus
der jährlichen Bestandsaufnahme, die der WWF Mexiko gemeinsam mit Partnerorganisationen seit 1993 durchführt.
„Wir freuen uns, dass die Monarchfalter dieses Jahr wieder deutlich zahlreicher in Mexiko angekommen sind. Es ist die zweite Saison infolge, in der wir einen Anstieg registrieren. Trotzdem bleibt die
Lage der Falter fragil: Ihre Zahl liegt im historischen Vergleich deutlich unter den Höchstständen der 1990er Jahre und an ihrer Bedrohung hat sich wenig geändert“, kommentiert Dirk Embert,
Lateinamerika-Referent beim WWF Deutschland.
Die Forschenden zählen bei ihrer Erhebung keine einzelnen Tiere, sondern messen die Fläche der Waldgebiete, die von den Schmetterlingskolonien während der Wintermonate besetzt werden. In der Saison
2025/2026 wurden drei Kolonien im Bundesstaat Michoacán und sechs im Estado de México registriert. Fünf Kolonien lagen innerhalb der Biosphärenreservate Mariposa Monarca, vier weitere Kolonien
befanden sich außerhalb der Schutzgebiete.
Die jährliche Migration der Monarchfalter gehört zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Erde. Jeden Herbst machen sich Millionen Schmetterlinge aus Kanada und den USA auf den Weg nach Süden,
um der Winterkälte zu entgehen. Auf ihrer Reise legen sie teilweise mehr als 4.000 Kilometer zurück. Da die Tiere nur wenige Wochen leben, braucht es mehrere Generationen, bis die Population die
gesamte Strecke bewältigt. In den Wäldern Zentralmexikos sammeln sich die Falter schließlich in dichten Kolonien, die ganze Baumkronen bedecken und Äste unter ihrem Gewicht biegen lassen.
Trotz der aktuellen Zunahme bleibt die Zukunft der Art unsicher. Hauptursachen für den langfristigen Rückgang sind nach WWF-Angaben der intensive Einsatz von Herbiziden, Landnutzungsänderungen sowie
die Folgen der Erderhitzung. Diese Faktoren führen dazu, dass die für den Nachwuchs unverzichtbaren Seidenpflanzen (Asclepias) immer seltener werden. Die Weibchen legen ihre Eier
ausschließlich auf diesen Pflanzen ab. Gleichzeitig verändern sich durch den Klimawandel Blütezeiten und Wetterbedingungen, was die Migration zusätzlich stören kann.
„Gern würden wir verkünden, dass sich die Monarchfalter aufgrund greifender Schutzmaßnahmen erholt haben. Leider ist es eher so, dass sich die Schmetterlinge trotz anhaltendender Bedrohung zuletzt
besser geschlagen haben. Insbesondere die intensive Landwirtschaft und die Klimakrise machen den Tieren immer stärker zu schaffen. Wir brauchen dringend strengere Regulierungen beim Herbizideinsatz
in Nordamerika, mehr nachhaltige Forstwirtschaft in Mexiko und mehr Einsatz für den Klimaschutz. Andernfalls wird die aktuelle positive Entwicklung nur eine kurze Zwischenblüte bleiben, bevor die
Populationen erneut in einen kritischen Abwärtstrend rutschen, aus dem es bald vielleicht kein Zurück mehr gibt“, warnt Dirk Embert.
Quelle: WWF Deutschland
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