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Radolfzell. Zehntausende Aktive schwärmen dieser Tage in Feuchtgebiete auf der ganzen Welt aus, um die 60. Internationale
Wasservogelzählung (International Waterbird Census, IWC) durchzuführen. Dieses außergewöhnliche Citizen-Science-Projekt spielte während der letzten sechs Jahrzehnte eine sehr große Rolle im globalen
Naturschutz.
Mit Ferngläsern und Fernrohren (Spektiven) begeben sich Teams aus Wissenschaftlerinnen und Freiwilligen in die Feuchtgebiete ihrer Region – von eisgesäumten europäischen Flüssen über warme
Karibikküsten und asiatische Wattgebiete bis zu Mündungen tropischer Flüsse in Afrika. Sie treten damit in die Fußstapfen all der Zählerinnen und Zähler seit 1967, um den Zustand der
Wasservogelpopulationen und ihrer Lebensräume zu kontrollieren.
Damit sind sie Teil des größten, am längsten bestehenden und wirksamsten Projekts zum Monitoring von Biodiversität, das heute 57.000 Wasserlebensräume in 189 Ländern und Territorien umfasst. Die
Zählung hat Naturschutzmaßnahmen in aller Welt vorangetrieben – zur Ausweisung neuer Schutzgebiete, zur Erhaltung der Wasservogelpopulationen und zur Gestaltung internationaler Naturschutzstrategien
zugunsten von Menschen, Natur und Klima.
„Seit 60 Jahren zeigt die Internationale Wasservogelzählung, wie viel es bewirken kann, wenn Menschen gemeinsam für die Natur tätig werden. Sie hat sich zu einem Leuchtturm des Wissens und der
Zusammenarbeit entwickelt, und zu einer Basis des Naturschutzes für Wasservögel und Feuchtgebiete auf der ganzen Welt“, sagt Coenraad Krijger, Geschäftsführer von Wetlands International, einer der
Koordinatoren des IWC. „Dieses bemerkenswerte Jubiläum ist den zehntausenden Freiwilligen, Wissenschaftlern und Partnern gewidmet, deren Engagement den globalen Naturschutz stärker, vernetzter und
effektiver gemacht hat.“
Die international tätige Naturschutzstiftung EuroNatur und ihre europäischen Partnerorganisationen sind ebenfalls an der Zählung beteiligt. “Auch entlang des Adriazugwegs werden bei der
Mittwinterzählung im Januar wieder die Spektive geschultert – dabei werden die Freiwilligen und Hauptamtlichen unserer Partnerorganisationen nicht nur akribisch die Wasservögel zählen, sondern auch
etwaige illegale Aktivitäten von Wilderern dokumentieren“, sagt Dr. Stefan Ferger, Programmleiter Zugvogelschutz bei EuroNatur.
Tatsächlich sind viele Wasservogelpopulationen rückläufig. So gibt es etwa bei Watvögeln besonders besorgniserregende Abwärtstrends, worin sich der Druck auf Feuchtgebiete entlang ihrer Zugrouten
widerspiegelt. „Die Stärke des IWC liegt in seiner Kontinuität. Durch die jährliche Wiederholung wird eine langfristige Datenbank aufgebaut, die es uns ermöglicht, die tatsächlichen Populationstrends
der Wasservögel zu verstehen und wirksame Lösungen für Probleme wie Wilderei oder Lebensraumverlust zu finden“, sagt Dr. Justine Vansynghel, Projektleiterin Zugvogelschutz bei
EuroNatur.
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