6. Januar 2026 | Gewinner und Verlierer 2025
WWF: Nashörner, Phytoplankton und Vögel auf der Verliererseite.
Luchse, Koalas und Grüne Meeresschildkröten sind Gewinner.
Europas Umweltschutz wird „geschreddert“
Berlin. Licht und Schatten für die biologische Vielfalt – das zeigt die von der Naturschutzorganisa-tion WWF Deutschland veröffentlichte Gewinner und Verlierer-Liste
2025.
Für Breitmaulnashörner und arktische Robben war es kein gutes Jahr. Die Vogelgrippe setzte den Kranichen über Deutschland zu. Generell
geht es für viele Vögel weltweit bergab: 61 Prozent aller Vogelarten verzeichnen sinkende Bestände. Auch aus den Ozeanen kommen schlechte Nach-richten: Die tropischen Korallenriffe könnten bald
unwiederbringlich verloren sein. Mit dem Rückgang des Phytoplankton ist das „grüne Herz der Meere“ bedroht. Doch es gibt Silberstreifen am Horizont. Dank Wiederansiedlungsprojekten kehren die Luchse
nach Deutschland und die Maral-Hirsche nach Armenien zurück. Für Koalas entsteht ein riesiges, neues Schutzgebiet. Steigende Bestände verzeichnen Grüne Meeresschildkröten und Mongolische
Saiga-Antilopen. In Nepal streifen rund 400 Schneeleoparden durch die Berge. Außerdem haben eine Reihe von Haien und Rochen dank neuer Handelsverbote und -restriktionen, die auf der
Weltartenschutzkonferenz CITES beschlossen wurden, eine Chance, sich wieder zu erholen.
„Das größte Artensterben seit Ende der Dinosaurierzeit ist menschengemacht“, so Kathrin Samson, Vorständin Naturschutz beim WWF Deutschland. „Die Hauptursachen sind
Lebensraum-zerstörung, Wilderei, Übernutzung, invasive Arten, Umweltverschmutzung sowie die Klimakrise. Das bedeutet aber auch, dass der Mensch den Schlüssel zur Lösung dieser Krise in den Händen
hält.“ Laut Samson zeigten die größtenteils mutmachenden Beschlüsse auf der Weltartenschutz-konferenz CITES Ende des Jahres, aber auch die erfolgreichen Wiederansiedlungsprojekte, dass man nicht „in
Schockstarre verfallen“ dürfe. „Internationale Verhandlungen zur Klima- und Umwelt-politik sind oft mühsam und selten so schnell, wie wir es uns wünschen. Aber globale Krisen brauchen globale
Antworten“, so Samson. „Wer angesichts der enormen Herausforderungen den Kopf in den Sand steckt, hat schon verloren. Es gibt keine Alternative zum Handeln. Erfolgreiche Projekte, wie die Rückkehr
des Luchses oder der Maral-Hirsche, sind Leuchttürme im Kampf gegen das Artensterben, an denen wir uns orientieren müssen. Diese Beispiele zeigen: Veränderung ist möglich. Und sie beginnt genau
jetzt.“
Mit Blick auf das anstehende Jahr warnt Samson: „Unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus wird Europas jahrzehntelang bewährte Umweltschutzgesetzgebung gezielt geschreddert. Treiber
sind zahlreiche Mitgliedstaaten, allen voran Deutschland. Für 2026 plant die EU-Kommission weitere zentrale Umweltrichtlinien wie zum Beispiel die Wasserrahmenrichtlinie zu schleifen. Diesem
regulatorischen Kahlschlag stellen wir uns entschieden entgegen. Nicht weniger, sondern mehr Klima- und Umweltschutz ist die Antwort auf die großen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen
unserer Zeit.“
Gewinner 2025
Luchse in Deutschland: Gleich aus zwei deutschen Projekten, in denen der WWF aktiv ist, kamen gute Nachrichten für die scheue Katzenart. Der Thüringer Wald ist um zwei neue
Eura-sische Luchse (Lynx lynx) reicher. Kuder Carlo wurde im August nahe Oberhof ausgewildert und folgt damit auf seinen Artgenossen Ionel, der seit April seine neue Heimat erkundet. Während Ionel
ein Wildfang ist, der aus Rumänien nach Deutschland umgesiedelt wurde, stammt Carlo aus dem Zoo Karlsruhe. Doch nicht nur durch gezielte Auswilderungen nimmt die dortige Population zu: Im Kreis
Hildburghausen nahm eine Wildtierkamera eine Luchsin mit zwei Jungtieren auf. Auch im Schwarzwald geht es für den Luchs voran. Ende Juli 2025 wurde dort Luchs Martin freigelassen. Schon zwei Wochen
später erbeutete Martin sein erstes Reh. Ende September folgte Luchsin Elisabeth. Beide wurden im Tierpark Oberwald des Zoo Karlsruhe auf das Leben in der Wildnis vorbereitet.
Grüne Meeresschildkröte: Für positive Schlagzeilen sorgt die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas). Dank jahrzehntelanger, internationaler Schutzbemühungen wurde sie 2025 von
„stark gefährdet“ auf „nicht gefährdet“ herabgestuft – eine Verbesserung um gleich drei Kate-gorien in der Internationalen Roten Liste. Seit den 1970er Jahren ist der Gesamtbestand um etwa 28 Prozent
gewachsen. Das ist das Ergebnis wirksamer Maßnahmen wie dem Schutz von Nist-stränden, Gemeindeprojekten gegen die übermäßige Entnahme von Schildkröten und ihren Eiern als Nahrung, dem Einsatz von
„Turtle Excluder Devices“ in Fischereinetzen und dem Stopp des internationalen Handels. Trotz der Erholung bleibt die Gesamtpopulation jedoch deutlich kleiner als vor der Zeit intensiver Ausbeutung.
Die Anstrengungen zum Schutz der Meeresschildkröten dürfen daher nicht nachlassen.
Kaukasus-Maral in Armenien: Dem Kaukasus-Maral (Cervus elaphus maral), einer Unterart des Rothirsches, wurde durch Wilderei und Lebensraumzerstörung zugesetzt. Der einst im
Kaukasus weit verbreitete Maral gilt seit den 1950er Jahren in Armenien als lokal ausgestorben. In anderen Regionen des Kaukasus gibt es noch fragmentierte Bestände. Der WWF siedelt die seltenen
Hirsche in Armenien wieder an und hat 2025 bereits zum dritten Mal Tiere ausgewildert. Seit diesem Mai erobern neun Marale ihre neue Freiheit in den Laubmischwäldern Armeniens. Die sieben Hirsche und
zwei Kühe stammen aus einem vom WWF eigens dafür eingerichteten Zucht-Zentrum. Marale sind neben anderen Wildarten ein wichtiger Bestandteil vom „Kreislauf des Lebens“ in der Region. Und so ist die
Wiederansiedlung auch ein entscheidender Baustein, um langfristig die Bestände des Persischen Leoparden dort wieder aufzubauen, zu dessen Beute-tieren der Maral gehört.
Koala: Mit der Einrichtung des neuen Great Koala National Park in Australien, wurde 2025 ein entscheidender Schritt unternommen, um Koalas (Phascolarctos cinereus) an der
Ostküste vor dem Aussterben zu bewahren und die Abholzung ursprünglicher Wälder zu beenden. Rund 176.000 Hektar Staatsforste werden mit bestehenden Nationalparks verbunden, wodurch in dem Bundesstaat
New South Wales ein riesiges Schutzgebiet für Koalas geschaffen wird. Nach Einschätzung des WWF könnte dies den dramatischen Rückgang der Koalapopulation an der Ostküste umkehren. Allein in New South
Wales ist der Koalabestand zwischen 2000 und 2020 um mehr als die Hälfte eingebrochen – durch Abholzung, Dürre, Krankheiten und Buschbrände.
Schneeleoparden in Nepal: Knapp 400 Schneeleoparden (Panthera uncia) leben verstreut in Nepals Bergen. So das Ergebnis der ersten nationalen Schätzung, welche die nepalesische
Regierung im April 2025 veröffentlichte. Die aktuelle Untersuchung liefert wichtige Erkenntnisse über die Bestände der gefährdeten Art, ihre Verbreitung und den Zustand ihrer Lebensräume im gesamten
Himalaja-Staat. Nach Bhutan, der Mongolei und Russland hat nun auch Nepal die international anerkannten Standards zur Erfassung der landesweiten Population angewendet, um ein klares Bild der Lage zu
gewinnen. Für den WWF ist das ein zentraler Schritt auf dem Weg zum Schutz der Schneeleoparden und liefert wichtige Informationen für künftige Erhaltungs-strategien. Denn nur wer weiß, wie viele
Tiere es gibt und wo sie leben, kann sie gezielt schützen. In dieser Hinsicht müssten nun auch noch die anderen Verbreitungsländer, wie etwa China, nach-ziehen. Insgesamt wird der Bestand der
Schneeleoparden auf 4.000 bis 6.500 Tiere geschätzt.
Mongolische Saiga: Wilderei, eine tödliche Seuche, sowie extreme Winter haben die Bestände der Mongolischen Saiga-Antilopen (Saiga tatarica mongolica) in den vergangenen
Jahrzehnten wiederholt dramatisch reduziert. Während ihre Verwandten, die Westlichen Saigas, in riesigen Herden umherstreifen, sank die Population der Mongolischen Saigas im Jahr 2017 auf einen
Tiefpunkt von 3.400 Exemplaren. Doch die jüngsten Zahlen geben Anlass zur Freude: Über 23.000 Tiere leben laut aktueller Schätzung in der Mongolei. Das sind wesentlich mehr als bei der letzten
Bestandsermittlung 2023. Damals boten 15.540 Tiere bereits Grund zum Aufatmen. Der Erfolg unterstreicht die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen, die auch der WWF mit nationalen und lokalen Akteuren
durchführt.
Haie & Rochen: Insbesondere für Haie und Rochen war die Artenschutzkonferenz CITES Anfang Dezember ein Erfolg. Insgesamt 45 Arten der Knorpelfische werden nun besser vor
Übernutzung geschützt. Erlaubt ist internationaler Handel mit ihnen in Zukunft nur noch, wenn die Bestände der Haie und Rochen dadurch nicht gefährdet werden. Der internationale Handel mit
Weißspitzen-Hochseehai, mit Walhaien sowie neun Arten von Manta- und Teufelsrochen wurde sogar ganz verboten – eine Premiere bei den Haiarten. Auch 18 Arten der bedrohten Geigenrochen dürfen bis auf
Weiteres nicht mehr gehandelt werden, da ihre Ausfuhrquoten auf Null gesetzt wurden. Haie und Rochen wurden schonungslos überfischt, weil Körperteile wie Flossen auf asiatischen Märkten horrende
Preise erzielen und der weltweite Handel mit ihrem Fleisch anzog. Selbst in Kosmetikprodukten wird Öl aus der Leber von Tiefseehaien verarbeitet.
Verlierer 2025
Phytoplankton: Laut neuen Untersuchungen aus 2025 geht global betrachtet die Menge von Phytoplankton in den Ozeanen in großem Ausmaß zurück. Der Bestand des wichtigsten
Organismus des Phytoplanktons, die einzellige Blaualge Prochlorococcus, droht sich bis zum Jahr 2100 in tropischen Ozeanen sogar um die Hälfte zu verringern da es ihr einfach zu heiß wird.
Phytoplankton ist das grüne Herz des Ozeans. Es produziert etwa die Hälfte des globalen Sauerstoffs und bindet enorme Mengen CO₂. Zugleich ist es die Grundlage des Nahrungsnetzes in den Meeren. Die
zunehmende Ozeanerwärmung verursacht eine stärkere Schichtung der Wassersäule, damit wird der Nährstofftransport (der "Dünger") aus tieferen Wasserschichten gehemmt. Gehen die Nährstoffe aus der
Tiefe zurück, ist es für das Phytoplankton so, als würde man einem Regenwald das Wasser abdrehen.
Arktische Robben: Gleich drei arktische Robbenarten wurden im Oktober in der Internationalen Roten Liste hochgestuft. Besonders kritisch ist die Lage der Klappmütze (Cystophora
cristata), die von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“ gesetzt wurde. Bei Bart- (Erignathus barbatus) und Sattelrobbe (Pagophilus groenlandicus) sehen Wissenschaftlicher:innen deutliche Warnsignale,
dass Bedrohungen negative Auswirkungen haben. Beide Arten gelten neuerdings als „gering gefährdet“ (zuvor: „nicht gefährdet“). Auch das Walross (Odobenus rosmarus) wurde erneut bewertet. Der Status
als „gefährdet“ bleibt zwar unverändert, die neuen Daten bestätigen aber den hohen Druck, unter dem die Meeressäuger stehen. Hauptursache ist der durch die globale Erderhitzung verursachte Verlust
des Meereises als Lebensraum. Zusätzlich wird die Arktis durch das schwindende Eis immer mehr für Menschen zugänglich, was Gefahren weiter verstärkt.
Vögel: Die Aktualisierung der Internationalen Roten Liste in 2025 zeigt bei Vögeln eine besorgniserregende Entwicklung: 61 Prozent aller Vogelarten nehmen in ihrem Bestand ab –
deutlich mehr als bei der letzten umfassenden Bewertung. 2016 waren es „nur“ 44 Prozent der Vogelarten weltweit. Vom Saruskranich (Grus antigone) und Nymphenpitta (Pitta nympha) in Asien, dem
Rußköpfchen (Agapornis nigrigenis) in Afrika, über den auch in Europa vorkommenden Kaiseradler (Aquila heliaca) bis hin zum vom Aussterben bedrohten Schwarzflügel-Trompetervogel (Psophia obscura) in
Brasilien - die negative Entwicklung für die gesamte Klasse der Vögel bezeichnet der WWF als „erschreckend“. Verantwortlich ist vor allem die Zerstörung von Lebensräumen durch die Ausweitung und
Intensivierung der Landwirtschaft sowie Abholzung. Dabei sind Vögel unverzichtbar für stabile Ökosysteme – als Bestäuber, Samenverbreiter, Schädlingsbekämpfer und Aasfresser.
Kraniche in Deutschland: Für tausende Kraniche (Grus grus) wurde in diesem Jahr die Reise nach Süden über Deutschland zu ihrer letzten. Die Vogelgrippe schlug mit voller Wucht
zu. Mehr als 1.000 Tiere sollen allein im Linumer Teichgebiet, nordwestlich von Berlin, verendet sein. Und die Vogelgrippe ist längst kein rein veterinärmedizinisches Thema mehr. Sie zeigt, wie eng
Umweltveränderungen, Tiergesundheit und menschliche Aktivitäten zusammenhängen. Die verendeten Kraniche werden daher zur Mahnung: Wissenschaftlicher:innen fordern, Gesundheit nicht länger isoliert zu
betrachten – zum Schutz von Mensch und Tier etwa vor neuen Pandemien.
Korallen: Der Flächenbrand unter dem Meeresspiegel setzte sich fort. Die tropischen Korallen-riffe sind nach 2024 erneut Verlierer des Jahres – und womöglich dauerhaft verloren,
wenn die Weltgemeinschaft nicht schnell etwas gegen die steigenden Temperaturen tut. Nachdem 2023 in der Karibik umfassende Korallenbleichen beobachtet wurden, kam es 2024 auch am berühmten Great
Barrier Reef in Australien zu einer der stärksten bisher dagewesenen Massenbleichen. 2025 nahm dann die vierte globale Massenbleiche an der Westküste Australiens noch nie dage-wesene Ausmaße an. In
das düstere Bild fügt sich eine Studie zu Kipppunkten ein, die im Herbst veröffentlicht wurde. Kipppunkte der Klimakrise sind kritische Schwellen, deren Überschreitung unumkehrbare und oft abrupte
Veränderungen auslösen. Der zentrale Kipppunkt liegt laut dieser Studie für Warmwasser-Korallen bei etwa 1,2 Grad Erderhitzung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Damit ist er
höchstwahrscheinlich bereits überschritten.
Breitmaulnashorn: Kritisch bleibt auch die Situation der afrikanischen Nashörner. Insgesamt ging die Zahl der Nashörner auf dem Kontinent um über sechs Prozent zurück. In einer
2025 veröffentlichten Erhebung wurden in Afrika rund 22.540 Nashörner gezählt. Darunter waren 6.788 Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis), die auf der Roten Liste der IUCN als „vom Aussterben
bedroht“ eingestuft sind, und 15.752 Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum), die als „potenziell gefährdet“ gelten. Zwar stieg die Zahl der Spitzmaulnashörner damit um rund fünf Prozent, doch die
Zahl der Breitmaulnashörner ging im gleichen Zeitraum um elf Prozent zurück.
Quelle: WWF Deutschland
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