10. April 2026 | Neues Projekt
Naturschutz trifft Technik: Gemeinsam Gärten sicher für Igel machen
Naturschutzverband LBV und Verein Deutscher Ingenieure (VDI) entwickeln Standards für Mähroboter
Hilpoltstein. Seit Ende März erwachen die ersten Igel aus dem Winterschlaf und streifen auf Nahrungssuche durch Gärten und Parks. Doch die
Bestände des westeuropäischen Igels gehen immer weiter zurück. Seit 2024 steht er erstmals als „potenziell gefährdet“ auf der internationalen Roten Liste. Neben Ursachen wie dem Insektenrückgang, dem
Einsatz von Pestiziden und der Versiegelung von Grünflächen machen dem Gartenbewohner auch Mähroboter zu schaffen. Denn die autonom fahrenden Gartenwerkzeuge können bei Igeln zu ernsthaften oder
tödlichen Verletzungen führen. Deshalb setzen sich der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in einem neuen Projekt mit
Unterstützung aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) dafür ein, den Einsatz von Mährobotern zukünftig sicherer für Igel zu machen. Das Projekt wird durch das
Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Deutschlandweit nehmen die Verkäufe und der Einsatz von Mährobotern in Gärten zu. Gleichzeitig steigt die Zahl an Igeln mit Schnittverletzungen, die tot aufgefunden oder schwer verletzt in Pflegestationen abgegeben werden. „Da sie bei Gefahr – wie einem herannahenden Mähroboter – verharren und einrollen, anstatt zu flüchten, sind Igel besonders bedroht. Bisher gibt es noch keine Mähroboter-Modelle, die Igel nachweislich sicher bereits vor einem Zusammenstoß erkennen“, erklärt Dr. Anne Berger vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, die das Projekt mit ihrer jahrelangen Expertise in der Igel-Forschung unterstützt.
Da Igel nachtaktiv sind, könnte man die Möglichkeit des potenziell gefährlichen Aufeinandertreffens von Mähroboter und Igel allein dadurch deutlich senken, dass man Mähroboter nur tagsüber benutzt. Immer mehr Städte setzen deshalb Nachtfahrverbote für Mähroboter um, wie es der LBV bereits seit Längerem für ganz Bayern fordert. Nachts gehört der Garten den Tieren und deshalb sollten Mähroboter dann pausieren. Sie in der Dunkelheit auszuschalten, ist immer noch eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen für den Igel und andere Wildtiere im Garten.
Bisher fehlen Normen oder einheitliche Prüfverfahren zur Wildtiersicherheit der Mähroboter. Hier setzt das neue LBV-Projekt an, das vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert wird. Bis Mitte 2027 wird in einem Gremium mit Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, Technik, Wildtierschutz und Behörden eine technische Richtlinie erarbeitet. Mit dieser haben die Hersteller erstmals die Möglichkeit, objektiv nachzuweisen, ob ihre Modelle dieser Norm entsprechend Igel zuverlässig erkennen und vor Verletzungen schützen.
„Da Mähroboter ohnehin millionenfach genutzt werden, bringen wir unsere Expertise aus dem Naturschutz ein, um sie für den Igel zumindest sicherer zu machen. Es braucht klare Sicherheitsstandards für diese Gartengeräte. Wir setzen uns für eine Schadensbegrenzung ein und wollen so Verbesserungen für Igel im Garten, auf Golfplätzen und anderen Grünanlagen erreichen", betont LBV-Projektleitung Lisa Schenk.
Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen
Der VDI bringt seine Erfahrung in der technischen Regelsetzung in das Projekt ein. Gemeinsam mit den Projektpartnern arbeitet der Verein an klar definierten Prüfverfahren und technischen
Anforderungen, mit denen sich künftig bewerten lässt, ob Mähroboter Igel zuverlässig erkennen und Gefahren vermeiden können. Dabei geht es unter anderem um Sensorik, Reaktionszeiten der Systeme und
reproduzierbare Testszenarien.
„Damit Hersteller die Sicherheit ihrer Geräte objektiv nachweisen können, brauchen wir standardisierte Prüfmethoden und klare technische Kriterien“, sagt Simon Jäckel, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences. „Technische Innovation muss mit Verantwortung einhergehen. Die Richtlinie soll festlegen, unter welchen Bedingungen Mähroboter Igel erkennen müssen und wie ihre Systeme darauf reagieren sollen, zum Beispiel durch sofortiges Stoppen oder Ausweichen. So schaffen wir eine belastbare Grundlage für mehr Wildtiersicherheit in der Praxis“, ergänzt Jäckel.
Naturnahe Gärten ohne Mähroboter immer am igelfreundlichsten
Der LBV sieht seine Rolle in diesem Projekt als Problemlöser und wichtiger Brückenbauer bei einem Konflikt zwischen Naturschutz und Technik. „Selbstverständlich lehnt der LBV den Einsatz von Mährobotern grundsätzlich ab“, versichert Schenk. Denn neben der akuten Verletzungsgefahr für Wildtiere führen Mähroboter zu dauerhaft kurzgemähten Rasenflächen mit viel weniger Artenvielfalt. Auf diesen Flächen finden Tiere wenig Nahrung und Versteckmöglichkeiten. „Doch solange Mähroboter eingesetzt werden, müssen sie Igel erkennen. Die Gefahr für die Tiere muss dringend bestmöglich reduziert werden, weshalb die Erarbeitung einer Richtlinie eine folgerichtige Konsequenz für uns ist“, so die LBV-Projektleitung.
Über das Projekt
Der bayerische Naturschutzverband LBV und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) setzen das
Projekt „Mähroboter und die Bewahrung der Artenvielfalt in Gärten“ gemeinsam mit Unterstützung aus dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) um. Ziel ist es, eine technische
Richtlinie zu entwickeln, mit der Hersteller künftig objektiv nachweisen können, ob ihre Geräte Igel zuverlässig erkennen und vor Verletzungen schützen. Das Projekt läuft bis Mitte 2027 und wird vom
Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert.
Quelle: LBV – Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V.
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