09. April 2026 | Vogelschutz
Gefährliches Glas für Spatz und Meise
Wetzlar. Ein dumpfer Knall, ein verräterischer Fleck an der Scheibe und im schlimmsten Fall ein toter Vogel auf dem Boden: Jährlich
kollidieren zahllose Vögel mit unseren Glasscheiben. „Das Problem ist, dass Vögel die Glasscheiben schlichtweg nicht sehen können und daher ungebremst in sie hineinfliegen. Besonders problematisch
wird es, wenn das Glas durch eine Spiegelung oder einen Durchsichteffekt dem Vogel eine freie Flugbahn vorgaukelt“, erklärt Maik Sommerhage, Landesvorsitzender des NABU Hessen.
Allein in Deutschland sterben laut Hochrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten jedes Jahr 100 Millionen Vögel durch den Aufprall gegen Glasscheiben. Da immer noch viel Glas
verbaut wird, ohne an den Vogelschutz zu denken, steigt die Zahl der verunglückten Vögel weiter an.
Gut geplant vorbeugen
Nicht jede Glasscheibe ist gleichermaßen gefährlich. Generell gilt: Je größer die Glasflächen, desto größer das damit verbundene Risiko für den Vogelanprall. Besonders gefährlich sind verspiegelte
oder blank geputzte Glasfronten und solche in der Nähe von Gärten, Waldrändern und Flüssen – dort, wo sich besonders viele Vögel aufhalten und sich attraktive Vegetation in den Scheiben spiegeln
kann. Zudem haben Vögel große Probleme mit Verglasungen über Eck, wie beispielsweise bei Wintergärten oder verglasten Bushaltestellen, Lärmschutzwänden, Verbindungsgängen oder Treppenhäusern. „Wir
sollten beim Bau den Vogelschutz standardmäßig mitdenken und problematische Verglasungen schon in der Planungsphase vermeiden. Dafür müssen Planungsbüros und Architekt*innen mehr für das Thema
sensibilisiert werden“, so Sommerhage. Fachlich gut aufbereitetes Infomaterial wie die NABU-Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht“ können dabei helfen. Bauherr*innen sollten das Thema
am besten schon in der Planungsphase aktiv ansprechen und vogelfreundliche Lösungen einfordern.
Unwirksame Hilfsmaßnahmen für Vögel
Beim Thema Vogelschlag denken Menschen meist zuerst an Aufkleber mit Greifvogelsilhouetten an der Glasscheibe. Die Aufkleber bringen aber nichts, da Singvögel darin keine natürlichen Feinde erkennen,
sondern nur schwarze Flecken auf dem Fenster. Oft fliegen sie dann direkt neben den Aufklebern auf die Scheibe zu. Auch UV-Markierungen, die darauf zurückgreifen, dass viele Vogelarten Licht im
ultravioletten Bereich wahrnehmen können, sind nicht hilfreich. Nach aktuellen Untersuchungen im Freiland zeigen sie keine oder nur eine schwache Schutzwirkung.
Glas besser sichtbar machen
Für bereits vorhandene Problemstellen gibt es einfache und kostengünstige Lösungen, die das Risiko eines Vogelschlages deutlich reduzieren können. Ein flächiges Muster mit Punkten, Streifen oder
andere kreative Ideen helfen den Vögeln, das Hindernis früh zu erkennen. Wichtig dabei ist: „Die Markierungen müssen immer an der Außenseite der Scheibe angebracht werden, damit sie Spiegelungen
vermeiden und die Vögel sie auch gut sehen können. Als Faustregel gilt, dass die Abstände zwischen den Elementen nicht größer als eine Handbreit sein sollen. Sonst versuchen die Vögel durch die
vermeintliche Lücke hindurchzufliegen“, rät der Ornithologe Sommerhage. Insgesamt haben sich senkrechte Linien und Punktmuster besonders bewährt und stören auch den Ausblick aus dem Fenster kaum.
Wenn kostengünstiger Vogelschutz für die Fensterscheibe benötigt wird, sind von außen angebrachte Fliegengitter, Schnurvorhänge aus Kordeln, Fensterfarben sowie milchige Klebestreifen die einfachste
Lösung. „Wer Kinder hat oder sich selbst gerne kreativ betätigt, kann die Scheiben auch mit Kunstwerken aus Fensterkreide verzieren. Das macht Spaß und hilft den Vögeln optimal, die Scheiben
wahrzunehmen“, empfiehlt Sommerhage.
Quelle: NABU (Naturschutzbund Deutschland), Landesverband Hessen e.V.
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