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22. April 2021

 

Jeder Baum zählt
 

WWF zum Tag des Baumes: „Aufforstung im Schneckentempo und Abholzung in Rekordzeit“/ Bilanz aus 10 Jahren Bonn Challenge

Berlin: Zum Tag des Baumes am 25. April weist der WWF auf den schlechten Zustand der Wälder weltweit hin. Während Wälder in Rekordgeschwindigkeit abgeholzt werden, laufen die Anstrengungen zur Wiederaufforstung laut der Naturschutzorganisation viel zu zaghaft. Beispielhaft dafür steht die Bonn Challenge: Darin verpflichteten sich 2011 Regierungen weltweit, bis 2020 150 Millionen Hektar zerstörte Waldlandschaft wiederaufzubauen. Zehn Jahre später sind die Ergebnisse mau: Zwar haben 60 Länder zugesagt, etwa 210 Millionen Hektar Wald zu restaurieren, bisher wurde aber nur ein Bruchteil tatsächlich umgesetzt. Die Flächen, auf denen Wald renaturiert und Landschaften bepflanzt werden sollen, liegen vor allem außerhalb der EU. Der WWF sieht die Bundesregierung trotzdem in der Verantwortung: Sie müsse für die Aufforstung und Wiederherstellung von baumreichen Landschaften bis 2030 mindestens 75 Milliarden Euro bereitstellen und die Waldzerstörung stoppen, indem sie sich für ein starkes EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten einsetzt.

„Wir können uns Baumpflanzungen im Schneckentempo und Abholzungen in Rekordzeit nicht leisten, denn Wälder sind unsere Lebensgrundlage schlechthin: Sie speichern Kohlenstoff, sind eine Schatzkammer der Artenvielfalt und Bollwerk gegen künftige Pandemien. Mit jedem gefällten Baum schneiden wir ein Loch in ein überlebenswichtiges Ökosystem und gefährden so unser eigenes Überleben”, kommentiert Susanne Winter, Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland.

Geht der Verlust von Waldflächen entsprechend dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre weiter, könnten laut WWF bis 2030 weitere über 100 Millionen Hektar alter Wald verloren gehen. Die Umsetzung der Bonn Challenge kann den Verlust zwar flächenmäßig ausgleichen, das setzt aber voraus, dass alle Ziele bis 2030 erreicht werden, laut Winter ist gerade das aber noch ungewiss. Zudem wird es Jahrhunderte dauern, bis der neue Wald auch so viel Kohlenstoff speichert wie die alten Wälder. „Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit. Damit wir die Zielgerade noch erreichen können, muss auf die Zusagen der Länder im Rahmen der Bonn Challenge nun die entschiedene Umsetzung folgen. Die Bundesregierung muss hier mit gutem Beispiel vorangehen und für den Wiederaufbau im großen Stil Gelder bereitstellen: Konkret braucht es aus Deutschland bis 2030 mindestens 7,5 Milliarden Euro pro Jahr für den Schutz der noch vorhandenen Wälder und die Wiederherstellung einst baumreicher Landschaften”, so Winter.

„Neu gepflanzte Bäume können alte, kohlenstoff- und biodiversitätsreiche Bäume nicht direkt gleichwertig ersetzen. Daher müssen gerade die alten Wälder der Welt vor Abholzungen geschützt werden”, fordert Winter. Derzeit werden artenreiche Regenwälder zur Herstellung von Produkten wie Futtermittelsoja, Palmöl oder Rindfleisch im Eiltempo vernichtet. Das zeigt ein kürzlich veröffentlichter
WWF-Report zur globalen Entwaldung. Importe nach Deutschland schlagen dabei mit einem durchschnittlichen Verlust von jährlich 43.700 Hektar Wald zu Buche – eine Fläche etwa halb so groß wie Berlin. „Deutschland ist Mitverursacher der globalen Waldzerstörung und muss daher Teil der Lösung werden. Dazu muss sich die Bundesregierung für ein wirksames EU-Gesetz für entwaldungsfreie Lieferketten stark machen.”

Hintergrund Bonn Challenge:
Die Bonn Challenge ist eine Initiative zur Wiederherstellung entwaldeter und erodierter Flächen. Sie startete 2011 mit einem Ministertreffen in Bonn, das die Bundesregierung gemeinsam mit der Weltnaturschutzunion IUCN und dem Weltressourceninstitut WRI ausrichtete. Die Initiative wird von Regierungen, Privatunternehmen und zivilgesellschaftlichen Gruppen weltweit unterstützt, Deutschland war Mitinitiator. Bereits 2017 erreichte sie laut eigenen Angaben ihre selbstgesetzte Zielmarke für 2020. Der WWF bezweifelt das: „Die Absicht Bäume zu pflanzen, speichert noch keinen Kohlenstoff.“

 

Quelle: WWF
 


 

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Aktualisiert am:

7. Mai 2021

 

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