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20. Januar | Internationale Grüne Woche

 

Landwirtschaft vor einer Transformation zu mehr Nachhaltigkeit

 

DBU-Online-Salon mit hochkarätigen Gästen

 

Osnabrück. Ein derartiger Umbruch wie derzeit stellt die Agrarwirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen. Mit Blick auf Nachhaltigkeit sowie Klima-, Arten- und Ressourcenschutz ist gar von „Trendumkehr“ und „Transformation“ die Rede. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) nahm diese umwälzenden Entwicklungen in einer Neuauflage ihrer Reihe „DBUdigital Online-Salon“ am Freitag (15. Januar), von 14 bis 16 Uhr unter die Lupe. Hochkarätige Gäste aus Praxis, Politik, Wasserwirtschaft und Wissenschaft gingen einer Frage nach: Was ist uns eine nachhaltige Landwirtschaft wert? 

 

Agrarpolitische Debatten rund um die Internationale Grüne Woche

Der DBU-Online-Salon verstand sich überdies als Bereicherung der agrarpolitischen Debatten rund um die Internationale Grüne Woche (IGW), die dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie erstmals im digitalen Format stattfand. Neben Hubertus Paetow, selbst Landwirt und zugleich Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), nahmen Silvia Bender, die Staatssekretärin im brandenburgischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz, Prof. Dr. Friedhelm Taube von der Universität Kiel sowie Prof. Dr. Uli Paetzel, der Präsident der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), teil. Sophie Zielcke von der Boston Consulting Group (BCG) hielt nach der Begrüßung durch DBU-Generalsekretär Alexander Bonde einen Impulsvortrag.

 

Studie der Boston Consulting Group zur nachhaltigen Landwirtschaft

Zielcke war an der BCG-Studie „Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft nachhaltig sichern“ vom November 2019 beteiligt. Ein ernüchterndes Fazit: Die Bäuerinnen und Bauern stehen unter immensem Druck, weil wiederum die gesamte Agrarwirtschaft einen gewaltigen Spagat bewältigen muss – einerseits verantwortlich für Nahrungsmittelproduktion und Erhalt der Kulturlandschaft, andererseits Ursache für externe und von der Gesellschaft zu tragende Umweltkosten in Höhe von rund 90 Milliarden Euro, während aber lediglich eine Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft von etwa 21 Milliarden Euro zu Buche schlägt. Und: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Lebensmittel zu günstigen Preisen, erwarten aber zugleich einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck seitens der Landwirtschaft.

 

„Leistungen für nachhaltiges Wirtschaften honorieren“

„Wenn Landwirtschaft zukunftsfähig bleiben will, müssen wir rechtzeitig die Weichen dafür stellen“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Wir brauchen eine Agrarwirtschaft, die die Rentabilität von Betrieben mit einer nachhaltigen sowie umwelt- und biodiversitätsfreundlichen Bewirtschaftung verbindet.“ Ziel müsse es sein, „den Umweltschutz in den Betriebsablauf zu integrieren“. Bonde weiter: „Eine solche Veränderung kann nur gelingen, wenn Landwirten die gesellschaftlich gewollten Leistungen für nachhaltiges Wirtschaften honoriert werden.“

 

Zu enge Fruchtfolgen und zu hohe Nährstoffeinträge

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und selbst Landwirt, Hubertus Paetow, hält eine solche Weichenstellung gleichfalls für unausweichlich: „Es gibt aus meiner Sicht keinen Zweifel daran, dass die Landwirtschaft im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit zu negativen Entwicklungen beigetragen hat. Hier brauchen wir eine Trendumkehr.“ Es gelte, in der heutigen Landwirtschaft die Praktiken zu identifizieren, die diese negativen Entwicklungen verursachen – wie etwa zu enge Fruchtfolgen oder zu hohe Nährstoffeinträge. Aus Paetows Sicht reicht es jedoch nicht, sich auf den Ökolandbau als Allheilmittel zu fokussieren. Etwas anderes sei für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft „viel wichtiger“. Paetow: „Wir müssen weg von einem einseitigen Fortschrittsverständnis, bei dem es allein um Effizienz- und Ertragssteigerung geht – also nur um Erträge und Kosteneffizienz. Diese Rechnung geht nicht mehr auf.“ Ebenso wichtige Kriterien für Innovationen seien die Beiträge zu Artenvielfalt, Klima- und Umweltschutz.

 

Das Modell einer Gemeinwohlprämie

Friedhelm Taube, Professor für Grünland und Futterbau an der Universität Kiel und unter anderem mit dem Forschungsschwerpunkt Ökolandbau, plädiert derweil für ein vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) entwickeltes Modell einer Gemeinwohlprämie. Denn für eine „unumgängliche Transformation“ der Agrarwirtschaft bedürfe es finanzieller Anreize. Das Prinzip des DVL-Modells sei recht einleuchtend. Taube: „Auf Grundlage einer definierten „sehr guten Landwirtschaft im Einklang mit Umweltzielen“ können Betriebe Ökopunkte sammeln – also etwa für den über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehenden Einsatz bei Artenvielfalt, Klima- und Umweltschutz.“ So würde man zum Beispiel auch die Nährstoffbilanz bei Stickstoff und Phosphor berücksichtigen und bemessen. Und ein solches System müsste laut Taube auch Basis der EU-Agrarpolitik werden. „Denn eines ist seitens der Wissenschaft lange klar: Die bisherige milliardenschwere EU-Agrarpolitik mit Direktzahlungen an die Landwirte mittels Flächenprämien pro Hektar entsprechende Umweltleistung muss ein Ende haben – spätestens in zehn bis zwölf Jahren“, so der Kieler Professor.

 

Ernährungsmuster stehen auf dem Prüfstand

Taube mahnt, „beim Schwenk auf den breit angelegten Transformationspfad“ gehe es nicht nur um die Landwirte. Auch die Konsumseite sei zu berücksichtigen. „Unsere Ernährungsmuster stehen auf dem Prüfstand.“ Der Kieler Professor fügt hinzu: „Verbrauch und Verzehr tierischer Nahrungsmittel müssen drastisch reduziert werden – mindestens um die Hälfte, wenn wir den Empfehlungen der Ernährungswissenschaftler folgen.“ Daraus folge die „notwendige Reduzierung der Tierhaltung, vor allem bei Schweinen und Geflügel“. Der auf EU-Ebene anvisierte Europäische Grüne Deal und die Strategie „Farm to Fork“ („Vom Hof auf den Teller“) gehen Taube zufolge in diese Richtung. „Beide EU-Vorhaben bedeuten nichts anderes als die Transformation der Agrarwirtschaft“, so der Kieler Professor.

 

Nachhaltige Landwirtschaft als „unverzichtbarer Baustein“

Als „Grundlage für eine gesunde Ernährung“ aber auch als „unverzichtbarer Baustein“ zum Erreichen der Ziele beim Arten-, Klima- und Gewässerschutz sieht Silvia Bender eine nachhaltige Landwirtschaft. Wichtig sei zugleich, die Position der Landwirtschaft in der Wertschöpfungskette zu stärken, so die Grünen-Staatssekretärin im brandenburgischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz. „Damit Bäuerinnen und Bauern angemessene Preise für ihre Produkte erzielen können und nicht als letztes Glied in der Kette die Brosamen erhalten, die Handel und Verarbeitung nach ihren ruinösen Preiskämpfen übrig lassen.“ Wie Taube verwies auch Bender auf das DVL-Modell einer Gemeinwohlprämie als ein geeignetes Mess-Instrument. Denn perspektivisch müssten alle Agrarzahlungen nach dem Prinzip „öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“ ausgegeben werden.

 

Quelle: DBU

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TV-Tipps

ZDFinfo-Dokumentation 

Die sieben geheimen Atompläne der DDR | 14. Juni  | 20.15 Uhr 

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Die Doku unternimmt eine Zeitreise in die Ära des Wettrüstens und die An-fänge der Atomenergie. In Deutschland startete der Wettlauf um das erste Kernkraftwerk. Für Ost und West sollte es der Aufbruch in ein neues Zeitalter sein und für die DDR die Lösung ihres Energieproblems darstellen. Filmautor Matthias Hoferichter geht der Frage nach, welche geheimen Pläne die DDR in der Atomforschung verfolgte und welche Auswirkungen sie bis heute hat. Dafür beleuchtet er auch die ehema-ligen Kernkraftwerke Lubmin und Stendal und das Endlager Morsleben.

© ZDF/Kristof Kannegießer

Gesprächspartner*innen sind unter anderem der Wirtschaftshistoriker Rainer Karlsch, der damalige Bundes-umweltminister Klaus Töpfer, Marlies Philipp aus dem früheren Werkstoff-prüflabor des KKW Lubmin, der Experimentalphysiker Horst-Dieter Giera, der ehemalige Leiter des Strahlenschutz Endlagers Morsleben Hartmut Schulze, Dieter Zeppe vom Amt Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR und der damalige leitende Bauingenieur des KKW Stendal Horst Paulus. 

Ab 10. Juni in der ZDFinfo-Mediathek 

© ZDF/Kristof Kannegießer

Servus TV Deutschland

Orang-Utans – Alarmstufe Rot

in der Reihe Terra Mater
Mittwoch, 7. Juli, 20:15 Uhr
Orang-Utan Weibchen hinter Gittern im Pata Zoo in Bangkok, Thailand © Terra Mater / Aaron Gekoski

Das lustige Selfie mit einem niedlichen Orang-Utan, ein scheinbar harmloses Erinnerungsfoto an den Südostasien-Urlaub. Was die wenigsten ahnen: Dahinter steckt oft ein knallhartes Geschäftsmodell krimineller Tier-
händler und unsägliches Leid für die Menschenaffen. Der renommierte Umweltfotograf Aaron Gekoski begibt sich für diese bewegende “Terra Mater“-Dokumentation auf die Spur der illegalen Netzwerke. Mehr Infos

Wunderwelt Wiese
Fotowettbewerb des LIFE-Projekts gestartet – Mitmachen lohnt sich
 
Was lebt auf und von der Wiese? Mit diesem Thema sollen sich Hobby- und Profifotografen ab sofort für den Foto-wettbewerb „WiesenLEBEN“ des LIFE-Projekts Rhöner Bergwiesen auseinan-dersetzen. Gesucht werden Aufnahmen von großen und kleinen tierischen Be-wohnern, von Blumen, Blüten, Kräutern und Gräsern, die alle zusammen einen ganz eigenen Mikrokosmos bilden.
Küchenschellen Nüsttal © Kristine Schmitt
Teilnahmebedingungen und weitere Hinweise für die Teilnahme abrufbar unter www.rhoener-bergwiesen.de.
Expedition Erdreich
© BMBF/ExpeditionErdreich
 
Deutschland buddelt – mit Teebeuteln den Boden erforschen
 
Expedition Erdreich ist die bundesweite Citizen-Science-Aktion im Wissen-schaftsjahr 2020|21 – Bioökonomie. Jeder und jede kann sich daran beteili-gen, um Daten über die Bodengesund-heit und den Zustand der Böden zu sammeln – ganz einfach mit Tee-beuteln. Grundlage für die Aktion
ist der sogenannte Tea-Bag-Index, der die Zersetzungsrate der Teebeutel im Boden beschreibt. Zusammen mit einigen weiteren Angaben können die Bürgerwissenschaftler/-innen so mehr
über die wichtigsten Bodeneigen-schaften herausfinden und dazu bei-tragen, unsere Böden in Zukunft gewinnbringender und nachhaltiger zu nutzen. Start der Aktion ist im April 2021. Weitere Informationen gibt es unter expedition-erdreich.de.

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Aktualisiert am:

14. Juni 2021

 

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