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22. Oktober 2020

 

 

 

Nordatlantische Glattwale vor US Küste in Lebensgefahr

 

Erneut sind in den letzten Tagen zwei der vom Aussterben bedrohten Glattwale im Nordatlantik entdeckt worden, die sich in Leinen verfangen haben. Das führt häufig zu schwerwiegenden Verletzungen und dem Tod der Tiere. Der erste Versuch eines Rettungsteams, eines der Tiere zu befreien, ist gescheitert. Sobald das Wetter es zulässt, werden die Helfer, denen auch Experten des IFAW angehören, die riskante Operation erneut angehen. Die Glattwale befinden sich jetzt auf dem Weg zum Golf von Mexiko, wo sie ihre Jungtiere gebären.

 

Der Wal "Cottentail" in Leinen verfangen, die er hinter sich herzieht. Erste Rettungsversuche schlugen bisher fehl. Moderne Fischereileinen verhindern ein verheddern der Wale und damit einen langsamen und qualvollen Tod. WICHTIG, bitte komplett angeben: (c) Center for Coastal Studies, image taken under NOAA MMHSRP permit 18786-04

 

 

„Haupttodesursache für diese Walart sind Kollisionen mit Schiffen und das Verfangen in Fischereileinen“, erklärt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW (International Fund for Animal Welfare). „Die Kollisionen mit Schiffen konnten zwar reduziert werden, aber das tödliche Verfangen in Fischereileinen ist häufiger geworden. Diese Art wird aussterben, wenn wir es nicht schaffen, beide Gefahren drastisch zu reduzieren.“

 

Da es nur noch etwa 400 bekannte Individuen dieser Art gibt, sind alle Exemplare wissenschaftlich erfasst. Eines der gesichteten Tiere ist ein elfjähriges Männchen und unter dem Namen „Cottentail“ bekannt, das andere ein vierjähriges Männchen, das als Sohn der Wal-Dame „Dragon“ identifiziert wurde. Dragon war im Februar zuletzt gesehen worden, auch in Leinen eingewickelt, die sie am Fressen gehindert haben. Die Experten nehmen an, dass sie ihren schweren Verletzungen erlegen ist.

Vor der Nordostküste von Amerika überschneiden sich der Lebensraum der Wale und die Fanggründe etwa der Hummerfischerei. Für sie werden Reusen an den Meeresboden ausgebracht, die durch Rückholleinen mit Bojen an der Wasseroberfläche verbunden sind. Wale verheddern sich oft in diesen Leinen. Moderne Leinen sollten auf den Meeresboden sinken und nicht in der Wassersäule treiben.

 

„Es ist höchste Zeit die Fischerei im Lebensraum der Nördlichen Glattwale zu verändern, um diese Walart vor dem Aussterben zu retten“, so Dinkelmeyer weiter. „Es gibt Alternativen, etwa Reusensysteme, deren Rückholleinen sich am Meeresboden befinden und erst nach einem Funksignal an die Oberfläche kommen. Solche Alternativen müssen flächendeckend eingesetzt werden, um die tödliche Gefahr durch Fischereileinen zu verringern.“

 

Der Nordatlantische Glattwal (Eubalaena glacialis), auch Atlantischer Nordkaper genannt, gilt laut Weltnaturschutzunion IUCN als vom Aussterben bedroht. Seit 2017 sind 31 Tiere dieser Art umgekommen, elf weitere wurden mit schwerwiegenden Verletzungen entdeckt, die höchstwahrscheinlich zu ihrem Tod geführt haben oder führen werden. Damit sind 42 Tiere, etwa zehn Prozent der noch etwa verbleibenden 400 bekannten Individuen, inzwischen gestorben oder lebensgefährlich verletzt.

Atlantische Nordkaper sind langsame Schwimmer, ein Grund warum die amerikanischen Walfänger im 19. Jahrhundert sie als „right whale“, den „richtigen Wal“, bezeichneten. Er war leicht zu fangen und trieb getötet an der Wasseroberfläche. Seit seiner massenhaften Bejagung hat sich diese Walart kaum erholt, obwohl sie schon 1935 unter Schutz gestellt wurde.

 

Quelle: IFAW

 

 

Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) ist eine weltweite gemeinnützige Organisation für die bessere Koexistenz von Tieren und Menschen. Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt und auf den Meeren im Einsatz. Wir retten und pflegen Tiere, wildern sie wieder aus und bewahren und schützen ihre natürlichen Lebensräume. Die Probleme, denen wir uns stellen, sind drängend und komplex. Um sie zu lösen, brauchen wir mutiges Handeln und kluges Denken. Wir arbeiten mit Gemeinden, Regierungen, anderen NGOs und Unternehmen zusammen. Gemeinsam finden wir neue und innovative Wege, damit sich alle Arten in ihrem Lebensraum entwickeln können. So geht’s: www.ifaw.org

 

 
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