Aktuell Informativ Meinungsbildend NATUR UND UMWELT
AktuellInformativMeinungsbildend  NATUR UND UMWELT

29. Mai 2020

 

Die Rückkehr der Luchse - Genetische Langzeitinventur der ausgewilderten Harzluchse belegt positiven Trend

 

Frankfurt. In enger Zusammenarbeit haben Forscher*innen des Nationalparks Harz und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt die genetische Struktur der Harzluchse seit ihrer Auswilderung unter die Lupe genommen und mit anderen Vorkommen verglichen. Die Studie wurde nun in der internationalen Fachzeitschrift „Conservation Genetics“ veröffentlicht.

 

Neben dem standardmäßig durchgeführten Monitoring aus Kontrollen von Luchs-Beuteresten, Fotofallennachweisen und der Auswertung von Sichtungen wurden zwischen 2001 und 2016 im gesamten Vorkommensgebiet der sogenannten Harzpopulation 379 DNA-Proben gesammelt und im Labor für Wildtiergenetik der Senckenberg-Außenstelle im hessischen Gelnhausen analysiert. Mittels der vor allem anhand von Spurenmaterial wie Haaren, Kot oder Speichel von gerissenen Beutetieren erhaltenen DNA-Profile ließen sich 105 Luchs-Individuen genetisch identifizieren.

 

„Ein besonderer Erfolg war dabei, wenn es gelang, einen Luchs zum Beispiel an einem gerissenen Reh mit der Fotofalle abzulichten und nach der Analyse der dort gesammelten Speichel- oder Haarprobe das genetische Profil desselben Tieres zur Verfügung zu haben. Durch die Zusammenführung von Foto- und DNA-Daten ließ sich so die Lebensgeschichten etlicher Tiere vervollständigen. Hierdurch haben wir nun ein viel deutlicheres Bild der Populationsentwicklung“, berichtet Ole Anders, Koordinator des Luchsprojekts beim Nationalpark Harz.    

 

Die Harzpopulation ging vor 20 Jahren aus der Auswilderung von Luchsen aus Zoos und Wildparks hervor. Durch die Verwendung hochauflösender DNA-Methoden konnten die Forscher*innen die Nachkommen der ausgewilderten Harzluchse schon wenige Jahre nach Gründung der Population genetisch von Tieren aus Zoos oder anderen wildlebenden Populationen unterscheiden.

 

Die DNA-Proben wurden in einer Distanz von bis zu rund 160 Kilometern zum Harzrand gesammelt. Mit den Methoden des Standardmonitorings gelang es darüber hinaus sogar nachzuweisen, dass einzelne Männchen zwischen zwei Bestätigungen bis zu 280 Kilometer zurücklegten. Kritiker*innen des Harzer Luchsprojektes stellten anfangs infrage, ob es den Luchsen gelingen kann, den Harz zu verlassen und in andere Gebiete abzuwandern, da das Mittelgebirge von teils sehr waldarmen Landschaften umgeben ist. Die nun veröffentlichten Daten belegen aber ebensolche Wanderungen zweifelsfrei. Die für den langfristigen Erhalt der Art entscheidend wichtige Vernetzung mit anderen Populationen ist also auch in unserer zerschnittenen Kulturlandschaft prinzipiell möglich.

 

Erfreulich ist ferner, dass der Luchsbestand im Harz und seiner Umgebung weiter anwächst und sich dabei räumlich ausdehnt. Das Vorkommensgebiet der Harzpopulation umfasst heute mehr als 8.500 Quadratkilometer und berührt mehrere Bundesländer. Der genetisch rekonstruierte Stammbaum der Harzluchse belegt, dass sich von den 105 identifizierten Luchsen immerhin 25 mit Sicherheit fortgepflanzt haben. Hierbei handelt es sich in der Regel um gut etablierte Individuen. Forschungen in anderen Luchspopulationen bestätigen, dass sich darin meist nur eine relativ kleine Anzahl von Tieren erfolgreich vermehrt. Diese sind für den Fortbestand der Population von entscheidender Bedeutung.

 

Trotz der Ausbreitung der Tiere nimmt die - verglichen mit anderen wiederangesiedelten Populationen - derzeit noch vergleichsweise hohe genetische Vielfalt durch die nach wie vor bestehende Isolation des Bestandes von Generation zu Generation ab. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt erfreulicherweise mit der Harzpopulation ein sehr vitales Vorkommen dieser bedrohten Wildtierart mitten in Deutschland, das sich offensichtlich ausbreitet, sagt Tobias Reiners, Senckenberg-Forscher und Mitautor der Studie. „Dennoch belegen unsere Ergebnisse, dass wir langfristig unbedingt eine Vernetzung mit anderen Luchsvorkommen benötigen, um die genetische Vielfalt der Population zu erhalten und Inzucht vorzubeugen“. Einen Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen, gibt es also nicht. Die intensiven Bemühungen um einen langfristigen Erhalt dieser faszinierenden Wildtierart in Deutschland müssen weitergehen.

 

Ein in diesem Zusammenhang spektakulärer Befund gelang jüngst im Rhein-Main-Gebiet: Ein Anfang des Jahres in der Umgebung des Wildparks Alte Fasanerie in Hanau gesichteter Luchs erwies sich nach der Analyse genetischer Proben als Harzluchs. Das Tier war also kein Tierparkflüchtling, wie zuerst angenommen, sondern hat die Strecke von gut 200 Kilometer Luftlinie eigenständig zurückgelegt. Der Wildpark Alte Fasanerie hatte vor zwei Jahrzehnten eine der ersten weiblichen Luchse für die Auswilderung im Harz zur Verfügung gestellt. Das jetzt aufgetauchte Luchsmännchen kannte diesen Zusammenhang vermutlich nicht, versuchte aber dennoch mit den Luchsweibchen im Gehege anzubändeln, denn wildlebende Geschlechtspartnerinnen dürften so weit entfernt von der Harzer Quellpopulation kaum zu finden sein. Nach zwanzig Jahren fand also ein Nachkomme der Auswilderungstiere quasi zu seinen Ursprüngen zurück. „Mit dem Ende der Paarungszeit hat das Männchen sein Interesse an den Artgenossinnen hinter dem Zaun allerdings wieder verloren und es ist vorerst Ruhe eingekehrt im Wildpark“, schließt Anders.

 

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können – dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung“ sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

 

Quelle: Nationalparkverwaltung Harz

TV-Tipps

Naturdoku-Highlights bei ServusTV Deutschland 

Mittwoch, 3. Februar und
Mittwoch, 10. Februar um 20:15 Uhr:
Terra Mater: Wildes Sri Lanka

Dreiteilige Dokumentation

Mittwoch, 17. Februar um 20:15 Uhr: Terra Mater:
Das geheime Leben der Rothirsche

Dokumentation, erstmals bei ServusTV

Mittwoch, 24. Februar um 20:15 Uhr: Terra Mater:
Tagebuch eines Leoparden

Dokumentation, erstmals bei ServusTV

Empfehlenswert

Meere, Wälder, Klima -

Wie sich die Welt verändert  

2020: ein Jahr der Extreme. Die welt-weite Corona-Pandemie hält uns in Atem. Doch es gibt mehr, dass das gesamte Leben auf der Erde bedroht. Waldbrände, Hitzerekorde, schmelzen-de Polkappen, ... - extreme Wetterer-eignisse sind inzwischen an der Tagesordnung. Wir laden zum spannenden Vortrag mit Dr. Thomas Henningsen ein. Der einstündige Livestream fand am 12.11.2020 statt und ist weiterhin auf Youtube zu sehen:

Nationalpark-Kalender 2021 Einnahmen für Luchsprojekt

 

Auch für 2021 gibt es wieder den vielfach nachgefragten Kalender. Er zeigt Fotos aus dem Fotowettbewerb HarzNATUR der letzten Jahre. Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Harzer Luchsprojekt zugute (www.luchsprojekt-harz.de). 

Der Kalender im Format 48 x 35 cm erscheint in einer limitierten Auflage von 1.000 Exemplaren. Zum Preis von 14,95€ ist er in allen Verkaufsstellen des Nationalparks und in zahlreichen Buchhandlungen der Region erhältlich. Private Bestellungen zum Ladenpreis sind beim Nationalpark-Besucherzen-trum TorfHaus unter post@torfhaus.info oder Telefon 05320/33179-0 möglich.  Sollten Sie größere Mengen benötigen, wenden Sie sich bitte direkt an das Luchsprojekt: 05582/9189-34 (luchsprojekt-harz@posteo.de). 

Praktika

Altenau-Torfhaus: Der Berg ruft! FÖJ in der Wildnis zu vergeben

Freiwilligendienst für 6 Monate im Nationalpark-Besucherzentrum 

 

Genug vom Lockdown? Du willst raus und etwas tun? Ab dem 1. März 2021 vergeben wir für sechs Monate einen Platz im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Hier kannst du dich für die Natur ein-setzen, Tiere und Pflanzen des Harzes kennen lernen und dein Wissen an die interessierten Besucher und an Kinder- und Jugendgruppen weitergeben.

 

Mehr Informationen:

FÖJ Torfhaus
PM_FOEJ_2021_TorfHaus.pdf
PDF-Dokument [280.0 KB]

Neuerscheinung

GRENZENLOS

Begegnungen am Grünen Band

Das Grüne Band reicht vom Dreiländereck bei Hof bis zur Ostsee. Es ist ein Mahnmal und Friedensprojekt. Der Dreiklang aus Naturschutz, Grenzge-schichte und Kultur macht es einzigartig. Dort wo sich zu Zeiten des Kalten Krieges feindliche Armeen aufgerüstet gegenüberstanden, darf sich seit dem Herbst 1989 die Natur entfalten. So wurde aus dem ehemaligen Todesstreifen eine Lebenslinie. 

Mehr Infos
Grenzenlos Flyer.pdf
PDF-Dokument [1.6 MB]

Werbeblock

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Hier könnte 

Ihre Werbung stehen!

 

ANZEIGE
ANZEIGE

WERBEN bei NATUR Online

Nur 50 € pro Monat

Vertragsdauer frei wählbar!

Sprechen Sie uns an!

Rezensionen

Kinderbuch| Rezension von Corinna Schulze, Sept. 2020 | [>>>weiterlesen]

Kinder-/Sachbuch| Rezension von Corinna Schulze, Sept. 2020 | [>>>weiterlesen]

Kinder-/Sachbuch | Rezension von Corinna Schulze, Sept. 2020| [>>>weiterlesen]

Kinder-/Sachbuch | Rezension von Corinna Schulze, Sept. 2020 | [>>>weiterlesen]

Kinder-/Sachbuch | Rezension von Corinna Schulze, August 2020 | [>>>weiterlesen]

Kinder-/Sachbuch | Rezension von Corinna Schulze, August 2020 | [>>>weiterlesen]

Kinder-/Sachbuch | Rezension von Corinna Schulze, Juli 2020 | [>>>weiterlesen]

Kinderbuch | Rezension von Corinna Schulze, Juni 2020 | [>>>weiterlesen]

#NaturparkLust - Ferien-Erlebnisse vor der Haustür

 

Für Erholungs- und Abenteuer-suchende, die die bevorstehenden Ferienwochen noch nicht verplant haben oder zu Hause bleiben möchten, bieten Naturparke spannende Aus-flugstipps. Hier gibt es beste Voraus-setzungen für einen nachhaltigen und naturerlebnisorientierten (Kurz-)Urlaub in der Heimat, sodass Natur-Entdecker voll auf ihre Kosten kommen. [>>>mehr]

Nah dran – Der Nationalpark Harz ist eines von 22 „Fahrtzielen Natur“

 

Urlaub in Deutschland liegt im Trend. Das Buch lädt ein, die heimischen Naturschätze umwelt- und klima-schonend zu entdecken. Die Porträts werden ergänzt durch Informationen zur nachhaltigen Anreise und der Mobilität vor Ort, die eine komfortable Reiseplanung ermöglichen. Zusätzlich bietet ein herausnehmbarer Faltplan eine Übersicht aller deutschen Fahrtziel Natur-Gebiete. [>>>mehr]

Wandern im Geiste und
lokalen Handel stärken
 
Derzeit sind Wanderreisen nicht mög-lich. „Im Geiste“ dagegen sind sie eine bunte Abwechslung im grauen Corona-Alltag. Wer dabei auf den schönsten Wegen Deutschlands wandeln will, sollte sich den Bildband „Wanderbares Deutschland“ besorgen. Das fulminante Werk mit packenden Fotos bietet neben tollen Beschreibungen der Wege auch jede Menge Informationen zum Thema Kulinarik. Das weckt Wandersehnsucht.
 

Veranstaltungen

(c) NABU
NABU Naturerlebniszentrum Blumberger Mühle
 
Blumberger Mühle 2 | 16278 Angermünde

Naturschutz-Akademie Hessen

Trotz anhaltender Hygienevorschriften und gewisser Beschränkungen aufgrund des Coronavirus bietet die NAH in Wetzlar einige interessante Veranstaltungen an.

Datenschutz-Info.pdf
PDF-Dokument [89.3 KB]

Weitere Informationen 
http://www.na-hessen.de

(c) Kees van Surksum | Kurverwaltung Wangerooge

Nationalpark-Haus Wangerooge 

Bei zahlreichen spannenden Veranstaltungen lässt sich die Insel Wangerooge unter naturkundlichen Aspekten entdecken.

Das Programm ist in gedruckter Form oder auf www.nationalparkhaus-wangerooge.de als PDF erhältlich.

NATUR Online 

Redaktion NATUR Online

Mühlstraße 11 | D - 63517 Rodenbach
Telefon: 06184 –  99 33 797

magazin@natur-online.info

Spenden erwünscht

NATUR Online wird von der GNA e.V. herausgegeben. Dazu benötigen wir Ihre Unterstützung u.a. in Form von Spenden. Spenden an die gemein-nützige GNA sind steuerlich absetzbar. 

Raiffeisenbank Rodenbach

IBAN DE75 5066 3699 0001 0708 00
BIC    GENODEF1RDB

Stichwort: NATUR Online

Herzlichen Dank!

Hinweis in eigener Sache:

Soweit nicht anders angegeben, verwenden wir Fotos von pixabay.com.

Aktualisiert am:

22. Januar 2021

 

Besucher*innen:

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Copyright 2013 - 2020 Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung e.V.